http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1900/0157
146
Bohnenbergcr
von Lautwandel und Wortverdrängung, wie über
die Ausdehnung des Lautwandels trägt er recht gesunde
Anschauungen vor. Man darf sich freuen, diese durch
eine so sorgfältige Arbeit gefestigt zu sehen. Im einzelnen
stimme ich ihm ausdrücklich in der Annahme bei, dass auch
die Wortverdrängung zu gewisser Regelmäßigkeit führen
kann. Wenig Bedeutung lege ich dem Versuch bei, „aktuellen"
und älteren Lautwandel grundsätzlich zu scheiden. Ersterer
sei ungestört, letzterer gestört. Im Grunde scheidet eben
der Gesichtspunkt gestört - ungestört und nicht das zeitliche
Verhalten. Unter den sprachscheidenden Verkehrshindernissen
wiegen in der Schwenninger Gegend die
historischen Grenzen sehr vor gegen die natürlichen
. H. betont dies auch sehr bestimmt, wie mir scheint
etwas einseitig. Das Gelände bietet schon gar nicht so
vielAnlass zu natürlichen Grenzen als man auf den ersten
Blick annehmen könnte. Vom Schwarzwald rückt nur der
verhältnismäßig flache und wenig durchschnittene Ostrand
in die Karte herein. Die Alb ist wol mit beträchtlichen
Steilabfällen und dem hohen und stark abgeschnittenen Heuberg
vertreten, aber die wenigen Orte des Heubergs unterliegen
der Beeinflussung von beiden Seiten, weil sie kein
Hinterland haben, an das sie sich anlehnen könnten. Von
tief einschneidenden Elusstälern wirken, wie H. selbst
sieht, das Wutachtal und das Beeratal sprachscheidend.
Neckar und Donau werden, wo sie tiefer einschneiden, von
den Sprachwellen quer getroffen und sind deshalb nicht geeignet
diese aufzuhalten. Hat man sich auf diese Dinge
etwas eingelesen, so findet man doch noch mehr natürlich
bedingte Sprachgrenzen heraus, als H. zugeben will. Ich
halte es nicht für überflüssig, auch hier ausdrücklich zu betonen
, dass neben Berg und Tal auch Wald und Eied
in Betracht zu ziehen sind. Auch anderwärts treten die
natürlichen Grenzen nicht in großen Zügen hervor, man
muss sie von Ort zu Ort heraussuchen. Aber im ganzen
genommen erweisen sich in der Schwenninger Umgebung die
geschichtlichen Grenzen als die stärkeren. Ein besonders
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1900/0157