Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
16.1900
Seite: 152
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152

Petsch

Hier sind schon zwei Strophen mit parallel gebauten
Gliedern vereint, im übrigen aber singen die Dorfschönen
ihren geliebten Jäger, Fuhrmann u. s. f. nur in Einzelstroplien
an, die bald mehr, bald weniger originell sind. Je höher
der Stand, um so geringere Ansprüche macht man sonst an den
Erwählten:

„Mei Schatz is a Groeger (Jäger),
A Forschtpraktikant,
Er liebt de schön'n Madie,
Is überall bekannt."

Wie so oft in der Volkspoesie, sucht man auch liier, besonders
wenn die eigene dichterische Produktionskraft nicht
sehr groß ist, nach bewährtem Muster zu „dichten" und
mehrere solche Verse über einen Leisten zu schlagen. So ein
bewährter Leisten ist jene Strophenform, die wir schon kennen
lernten, und die in der zweiten Zeile lautet: „Ein N.
muss es sein;" sie hat den Vorzug des leichten Reimens, z.B.:

„Blei Schatz is a Schreiber,
A Schreiber muss's sei,
Er schreibt mir alle Tage,
. Sei Herzel wär mei."

Gelegentlich kommen auch Konflikte zwischen dem Wunsche
des Herzens und dem Laufe des Schicksals vor:

„Ich hab immer denkt,
Ich krieg a Student,
Jetzt hat mi der Teifi
A Schneider ang'hängt."

Gewiss hat der gelehrte Jüngling vergessen, seine Liebe einzugestehen
, etwa wie jener vogtländische Zimmermann:

„Madel, heier mich,
Bin a Zimmermann,
"Will d'r a Häusle bau'n,
Und a Schuppen dran:

Will d'r a Wiegel schnitzen,
Und a Kindl 'nein,
Madel, heier mich,
Xach biste mein."


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