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Petsch
dass schließlich doch noch der Rechte kommen werde, wie jener
Backfisch in den „Fliegenden Blättern" schwärmte: „Wenn
ich einmal heirate, dann muß es ein Leutnant sein, oder ein
Assessor, oder ein Kaufmann — oder sonst irgend einer."
Lieder dieser Art sind in mehrfacher Hinsicht interessant
. Jede Strophe ist mit der folgenden fest verzahnt.
Sie schließt immer mit der Anführung eines neuen Geliebten,
der dann im Anfange der nächsten wieder verworfen wird.
Dadurch werden aber in der ersten Strophe die beiden Eingangszeilen
frei und ihre bald mehr, bald weniger humoristische
Ausfüllung zeugt von der Geschicklichheit des betreffenden
Stamms. Ferner hat die Art der Auffassung jedes
Stands natürlich ihr kulturgeschichtliches Interesse. Meist
ist es Mühe und Arbeit, wie sie eben jedem Stande auf
Erden eigen sind, die das Mädchen scheut und um deren
willen sie der sonst annehmbaren „Partie" entsagt. Ehe ich
einige der originellsten hergehörigen Texte mitteile, bemerke
ich noch, dass diese Art von Volksliedern vor allem in Mitteldeutschland
verbreitet zu sein scheint.
Einen prächtigen Anfang hat das erzgebirgische Lied:
„Das Dorf ist lang, der Dreck ist tief,
Die Bauern gehn auf Stelzen,
Und wenn sie keine Stiefeln haben,
Pantoffeln haben sie selten."
Damit ist gleich auf die Bauern angespielt, und nun geht
das eigentliche Strophen wechseln an:
„Ich hab' gehört, die Bauersweiber
Haben Tag und Nacht keine Ruh;
Viel lieber will ich mir einen Schuster nehmen,
Der macht mir neue Schuh.
Ich hab' gehört, die Schustersweiber
Müssen Absätz machen-,
Viel lieber will ich mir einen Schneider nehmen,
Der macht mir neue Sachen.
Ich hab' gehört, die Schneidersweiber
Müssen so lange sitzen;
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