http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1900/0174
Merkwürdige Schulfeier in Ulm im Jahre 1790 KJ-J
nach Ulm gelangt, wo ja das Jahr zuvor, im Jahr 1789
ebenfalls eine (hernach i. J. 1810 von der württembergischen
Eegierung wieder aufgehobene) Freimaurerloge, „Asträa zu
den drei Ulmen" aufgerichtet worden war. Sei dem wie ihm
wolle, die Kantate fand auch in Ulm Anklang und wurde, nach
entsprechender Ummodelung und Anpassung, zur Absingung
bei der oberwähnten Gymnasialfeier für geeignet erfunden;
der damalige (1792 -\) Rektor Marx Haßler „hat mit Zuziehung
des Kantors und Präceptors der 7. Klasse Joh. G-eorg
Blöst alles nach gegenwärtigen Umständen einzurichten
und zu verändern gesucht", bezw. gewusst. „Sie hat sich
dann auch vortrefflich ausgenommen, sc. der veränderte Text
nach dem Text und Musik. Welches wohl viele Mühe gekostet
!" Wir lassen nun die Kantate, welche eine so merkwürdige
Verwendung gefunden und in welcher namentlich
der Schmerz und die Trauer über den frühen und tragischen
Tod des besonders von den Freimaurern hochgehaltenen
Kaiser Joseph II. zum Ausdruck kommt, folgen:
Chor.
Freimaurer.
Saiten rauschet; Pauken schallet;
Flöten tönet; Jubel hallet;
Stimmt in unsern Lobgesang.
Dem, der über Sonnen thronet,
Im ehrwürdigen Dunkel wohnet,
Bringen wir heut unsern Dank.
Ulm.
Ebendies unverändert.
Recitativ.
Freimaurer.
Sink in den Staub, mein Geist, und bet ihn an,
Den Ewigen, der dir so unaussprechlich wohlgethan.
Ihm dankt der Maurer seines Baues Segen,
Ihm dankt er's, auf der Tugend steilen Wegen
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