Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
16.1900
Seite: 180
(PDF, 60 MB)
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Anzeigen und Nachrichten

nehmer Wichtigtuerei ihre Mappen auszubreiten und Stoff für ihre
Depeschen zu sammeln. Nahm ein Gegenstand der Tagesordnung
besonderes Interesse in Anspruch, so strömten Männlein und Weiblein
schon lange vor der festgesetzten Zeit in hellen Haufen herbei.
Der Kammerpräsident interpretirte seine Disziplinargewalt in der
weitherzigsten Weise. Traf der Redner den Nagel auf den Kopf,
sprach er allen aus dem Herzen, so erhoben sich unten im Saal die
Abgeordneten und oben auf der Tribüne die Zuhörer, um mit lauten
Beifallssalven ihre Huldigung darzubringen" (S. 144). So habe,
meint Müller, der badische Landtag von 1819 „in mehr als einer
Beziehung eine vorbildliche Rolle für ganz Deutschland gespielt"
(Prospekt). Das war nun zwar damals so wenig der Fall wie heute,
zu der vorbildlichen Rolle hat dem ersten badischen Landtag erst
Leonhard Müller verholfen; sein Held Rotteck hatte ihn richtig als
die noch schüchterne Jugend des damaligen konstitutionellen Lebens
(in Baden) bezeichnet.

Mit rührendem und oft wahrhaft kindlichem und komischem
Eifer ist Herr Leonhard Müller bemüht, den Bekennern des Freisinns
Denkmäler zu setzen. Er dehnt dies bis auf seinen eigenen
Urgroßvater aus, der im Jahre 1815 zu Steinbach, Amt Buchen,
„sich lange Zeit auf eine einsame Talmühle flüchten musste, da die
verbündeten Russen auf ihrem Rückzug alle Nahrungsmittel des
Dorfes aufgezehrt hatten und von ihm das Unmögliche verlangten,
nämlich neue Lebensmittel aus dem Boden zu stampfen"
(S. 131).

Im Religionswesen verteidigt und bethätigt der Verfasser einen
völlig „freigeistlichen" Sinn. Sein Mann ist Wessenberg. Er bedient
sich lieber der Muttersprache als der lateinischen Sprache im Gottesdienste
und lässt sich auch die anderen Errungenschaften, welche
er dem edlen, freisinnigen Freiherrn v. Wessenberg verdankt, nicht
mehr nehmen (S. 79). Mit Rotteck, seinem Lehrer in der Politik
und Historie, ist er gegen Zölibat, Seminarien und andere Werke
„kirchlicher Heißsporne" und gebraucht ironisch oder satirisch gern
kirchensprachliche Wendungen und Ausdrücke.

Eine unheimliche Rolle spielen in der badischen Landtagsgeschichte
Müllers die Hofhistoriographen. Er selbst ist der präde-
stinirte Historiker, der Historiker, „welcher ohne Ansehen der
Person das Verdienst wägt" (S. 34), wozu er offenbar wie
kein zweiter die Befähigung besitzt. Er hält es nicht für seine
Aufgabe, „alle hinter den Kulissen tätigen und mächtigen


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