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Anzeigen und Nachrichten
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Schweifung ins volkskundliche Gebiet gemacht war; denn während
einzelne, wie snoge, muurekiwl, ja selbst wol wedagige
(wedag = Schmerz, ahd. wätac kann man in Altbayern vielfach,
und auch in Schwaben, hören) leicht verständlich sind, werden wenige
nur wissen, was sie unter gläbrli, böbili u. a. sich denken
sollen. An Ort und Stelle aber kann man meist noch annähernd
wenigstens Aufschluss bekommen über den Sinn der Bezeichnung.
"Wie besonnen die Deutungen in Kriegers Wörterbuch sind,
zeigt, dass außer der durch F. Pfaff schon richtig gestellten, von
Eichstetten, die ihre Bestätigung durch den Volksmund findet, nur bei
dreien von dem Verf. eine andere Ableitung vorgezogen wird. Diese
dürfen wir vielleicht auf ihre Berechtigung hin etwas näher ansehen.
Für Vogtsburg hat Krieger seltsamer Weise einen Vocho
als namengebend angenommen, trotzdem die älteren Urkunden alle
den viel häufigeren Namen Bocho enthalten. Mit B,echt ist also
dieser an die Stelle jenes gesetzt. Aber seine Herleitung von bock
erregt bedenkliches Kopfschütteln. Wo ist ein damit zusammengesetzter
PN. nachweisbar? Wie wäre es wahrscheinlich zu machen,
dass Eltern vom Geiste der alten Germanen ihr Kind nach dem gar keine
besonders rühmlichen Eigenschaften besitzenden Bock taufen ? Und in
der Mythologie spielt das Tier meines Wissens auch keine nennenswerte
B,olle. Nein, Bocho ist entweder zusammengezogen aus Bodicho
oder = Bucco, Bucho (von Burghart) oder auch, wie Stark,
Kosenamen der Germ. 314 urkundlich nachweist, = Boliko (Bal-
diko). — Königsschaffhausen. Die Baumannsche Erklärung:
„Häuser am Rohr" ist nicht so ohne weiteres zu verwerfen, zumal
die bei Förstern, für den Stamm scaft beigebrachten PN. auch
öfters den Verlust des t zeigen; für den gegebenen Fall ist besonders
charakteristisch der Abfall des t in Scafhilt. Jedoch scheint mir
scäf, wenn auch unwahrscheinlich, so doch nicht ausgeschlossen. —
Schelingen. Auch hier möchte ich Baumanns Ableitung den
Vorzug einräumen. Die ingen müssen durchaus nicht unbedingt
alle patronymisch sein; besonders sind sie es dann nicht mit Wahrscheinlichkeit
, wenn man als Namensstamm einen sonst gar nirgends
nachweisbaren erfinden muss. Und dies träfe bei schel = Zuchthengst
zu. Die Form Scheieyen und die — leider nicht mit angeführte
— Sehe Ii lassen vermuten, dass wir es mit einem
unechten ingen zu tun haben. Vielleicht ist auch die Form
Scaleia nicht ganz aus den Fingern gesogen. Wenn wir Formen
wie Mortunauwa, — augia, — agia betrachten und damit z. B.
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