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Beiträge zur Würdigung des elsäss. Humanisten Adelplius Muling 147
allein ein wenig gelortor ltit verstan sollent. Oder als ob der
schirm und die hilff christenlicher geistlicheit darin stand,
wenn man sy nit wisse". „Es ist aber" — fährt der Übersetzer
bezeichnenderweise fort — „etwan besser, das man der
künig und grossen herren heimlicheit Verberg, aber die heim-
licheit der lere Christi soll aller weit ußgerufft und bekant
werden, also das alle wyber lesent das ewangelium Christi
und die epistel Pauli und das die ding in alle sprachen
würden ußgelegt, das nit allein solchs die latynischen oder
tütschen und welschen, sonder auch die türcken und ungläubigen
das lesen möchten und verstan. Dann der erste grad
ist mercken und verstan oder wissen; wie vast es etlich ver-
werffen und verspotten, acht ich klein."1 Es folgt eine
innige, fromme und aufrichtige Stelle, die sich liest wie ein
Gebet um Erleuchtung; er ruft „demüttiglich den almechtigen
und den unerschöpflichen brunnen aller tugent" an, dass
„unsere hertzen mögen vol werden göttlicher gnaden und
influß, das er uns mitteil syn grundlose barmhertzigkeit, das
wir dadurch mögen erkennen und finden den waren, rechten
weg ewiger Seligkeit, dem trewlich nachfolgen und styff anhangen
, ritterlich stryten und fechten wider alle fynd, so uns
daran hindern oder irren mögent und abtriben." Der letzte
Gedanke leitet zu einer eindringlichen Empfehlung der Eras-
mischen Schrift über, aus der man wieder so recht herausfühlt
, wie stark Adelplius in seinen Ideen von Erasmus — und
Luther? — beeinflusst wird. — Am Schlüsse heißt es: . . . darzu
uns allen helff unser gebenedeyter vorfechter Jesus christus
Amen. Geben zu Schaffhusen uff sant Ambrosius tag des
heiligen lerers. Anno M.D.XIX.
Eingeleitet wird der eigentliche Anfang des Werks durch
die Verse (fol. a 6, im lateinischen Original S. 29):
Also spricht das buch von im selbs.
Ich acht nit lobs noch Scheltwort groß
1 Die Frage, ob Adelplius sich später der Lehre Luthers zuwandte,
lasse ich vorläufig offen; gerade in diesen Dingen kann man — man vergleiche
den nach der Seite hin ganz unsicheren Beatus Rhenanus — nicht
vorsichtig genug sein.
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