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Badische Auswanderer in Franzfeld
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man auch eine, vom Wohnhaus getrennte sogenannte Sommerküche
, bei welcher auch ein kleines Zimmer mit einem Backofen
sich befindet. Die Wohnzimmer sind meistens ausgemalt
und gediehlt (gebrettert) und der Fußboden gelb gestrichen.
(S. 77.) Die Zimmereinrichtung war bei den Vorfahren
sehr einfach. Sämtliche Möbel waren entweder braun
oder rot angestrichen und bestanden aus Betten, einem Schubladkasten
, einem hohen Kasten, einem Tisch, zwei Bänken,
mehreren Sesseln und einer Kiste. — Heute sind die Möbel
viel eleganter hergestellt und bei vielen Familien findet man
auch Diwans. Auf dem Schubladkasten, welcher mit einer
Decke bedeckt ist, befinden sich Kaffeeschalen, Gläser, Flaschen
usw. Bei mehreren Familien hat man auch noch einen
Glaskasten (Gläserschrank), in welchem das Porzellangeschirr,
der Brautkranz und sonstige Erinnerungszeichen aufbewahrt
sind. —
Bei jedem Wohnhaus befindet sich außer dem reingehaltenen
, geräumigen Hof ein ziemlich gut gepflegter
Garten.
Bei vielen Wohnungen ist der Hof vorne gepflastert und
so eingerichtet, dass das Wasser abfließen kann.
(S. 78.) Mit Ausnahme von vielleicht 3—5 Wirtschaften
hat jedes Haus einen Brunnen. Das Trinkwasser ist mit
Ausnahme von zwei Brunnen überall trinkbar. Das beste
Trinkwasser ist im vierten Viertel.
Für den Kulturzustand unserer deutschen Landsleute
in Franzfeld heutzutage zeugen neben einem geordneten
Kirchen- und Schulwesen, das neuerdings freilich durch Auf-
zwängung der „Staatssprache" beeinträchtigt wird, und einer
tüchtigen Gemeindeverwaltung auch eine Gemeindesparkasse,
Apotheke, Arzt und ein entwickeltes Vereinsleben — Leseverein
, Männergesangverein, freiwillige Feuerwehr uam. —
Die Gemeinde ist trotz ihrer Größe eine beinahe rein landwirtschaftliche
geblieben; Gewerbe wird im wesentlichen
nur für den Ortsbedarf getrieben, die Fertigung von „Werfer-
pflügen" ausgenommen, welche weiter hin abgesetzt werden.
Am besten gedeihen Weizen und Kukurrutz (Mais), im Jahre
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