Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
22.1906
Seite: 139
(PDF, 69 MB)
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Sagen aus Höpfingen und Odenheim

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verschickt werden. In diesem Hölzle nun spukt es schon
seit alter Zeit. Ein Geist, „Julia" genannt, treibt da sein
Unwesen. Er ist von vielen schon oft gesehen und geplagt
worden und wird als feuriger Mann ohne Kopf geschildert.
Übrigens ist er ein strenger Wächter des Rechts und rächt
jede üble Tat und jedes sündhafte Vergehen. Wenn z. B. böse
Jungen seinen Spitznamen „Juhä" in den Wald rufen, um
ihn zu necken, so kommt er plötzlich und treibt sie, nachdem
er sie zuerst mit Blindheit geschlagen, in seine unterirdische
Höhle, wo sie in Gesellschaft ekeler Schlangen und anderes
Gewürms so lange Hunger und Angst ausstehen müssen,
bis sie ihre Unart gebüßt und das Versprechen abzulegen
bereit sind, von jetzt ab ganz brav werden zu wollen. Aus
dem Walde geleitet, erhalten sie plötzlich ihre Sehkraft
wieder und wissen den Ort der Höhle nicht anzugeben.
Schon mancher junge Tunichtgut wurde vom Juhä eingefangen
und gebessert. Daher auch der Zuruf an unartige
Jungen und Kinder: „Gib acht, dich holt noch der Juhä!"

Schlimmer ergeht es den Erwachsenen. Betritt so ein
Übeltäter das Hölzle (nur in diesem übt der Juhä seine Macht
aus), so ist der gefürchtete Geist plötzlich da, schwingt sich
seinem Erkorenen auf die Achsel und martert und plagt ihn
so, dass er zittert und Angstrufe ausstößt. Das rettet ihn
jedoch nicht. In der Höhle des Juhä mit verbundenen
Augen angekommen, erhält er ein großes Buch vorgelegt,
in welchem alle Betrügereien, Lügen und Unredlichkeiten,
deren er sich schon während seines Erdenwallens schuldig
machte, aufgezeichnet sind. Für jede Untat erhält er eine
besondere Strafe, die in den schwierigsten, ekelhaftesten
Arbeiten bestehen. Dabei muss er hungern und wird bei
der außerordentlichen Hitze von einem entsetzlichen Durst
gepeinigt. Sind nun all seine Sünden gebüßt und ist er
bereit, das Gelübde abzulegen, von jetzt an ein gutes Leben
führen zu wollen, so wird er mit verschlossenen Augen entlassen
und wieder an denselben Ort gebracht, an dem er eingefangen
wurde. Jetzt erinnert er sich an alles, was er bei
dem Geiste Juhä erlebte, es zieht alles noch einmal vor seinen


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