Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
23.1907
Seite: 74
(PDF, 70 MB)
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Pfaff

Gewiss war unser Brugger ein überzeugter Katholik gewesen
. Nicht umsonst stammte er aus ganz christlicher
Familie. Seine Gebetbücher und kirchlichen Schriften beweisen
das klar und deutlich, ebenso die an ihn gerichteten
Briefe verschiedener Bischöfe, Geistlichen und Klosterfrauen.
Ohne Zweifel haben aber Wessenbergs Geist, Schreibers Beispiel
, sowie die eigene Neigung zu heiterer Lebensauffassung,
sein burschenschaftliches Freiheitsideal und seine Deutsche
Gesinnung ihn in die freiere Bahn gelenkt, auf der er weiter
und weiter schritt, bis er schließlich zu einer Art von Pantheismus
gelangte.

In einem Vortrage18, nennt er, hoffnungsvoll an das
Gleichnis vom Senfkorn anknüpfend, als Wesen und Zweck
des Deutschkatholizismus: Herstellung des Urchristentums,
d. h. Verwirklichung der erhabenen Urgedanken unsres Herrn
und Glaubensschöpfers, Inslebenführung und Errichtung des
großen allgemeinen Menschen- und Bruderbunds. Nicht einige
Glaubenssätze, noch weniger Glaubensstreitigkeiten sollen
herrschen. Grundsätze seien: „Gott unser Vater, die Welt
seine ewige Offenbarung, der Mensch sein Kind."

Man wird aus allem nicht verkennen und auch gewisse
Spuren zeigen es deutlich an, dass Brugger Freimaurer war.

Eine eigentlich politische Tätigkeit hat Brugger, wie es
scheint, nicht geübt. Auch die Stürme der Jahre 1848 und 1849
haben ihn nicht in ihren Strudel gezogen. Dem widerspricht
nicht, dass er auf Einladung des Freiburger Hofgerichtsrats
Alexander Buisson am 10. Dezember 1848 in seiner Vaterstadt
eine öffentliche Gedächtnisrede für Robert Blum hielt.
War doch die Feier keine politische Kundgebung, sondern
eine ernste religiöse Weihehandlung19. Die Feier bestand aus

,8 In der Heidelberger Sammlung.

19 Heidelberger Sammlung Brugger. Brief Nr. 43 vom 29. Nov. 1848:
„Auch liier in der Barrikadenstadt beabsichtigt eine Schaar der freien
Männer und Frauen eine würdige Gedächtnissfeier zu veranstalten für
den hingerichteten Robert Blum . . . Wir wollen der gröseren Teilnahme
wegen und in Betracht der ernsten Handlung ihr weniger den Karakter
einer politischen Demonstration als einer religiösen Weihe geben."


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