Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
23.1907
Seite: 91
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1907/0107
Alemannische Ortsneckereien aus Baden

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Mit der Lage des Orts steht die Feldbestellung- in Zusammenhang
und auch dies wird zu Ortsneckereien benützt.
Zuerst, was die Art der Feldbestellung angeht, so heißen die
Ehrenstetter (Staufen) Misthüttie, weil sie den Mist in Bütten
auf das Feld tragen. Aus demselben Grunde werden die Peterstäler
(Oberkirch) BücMorbbauern geuzt, wie auch die Ihringer
(Breisach) Esel, da sie den Dung in die Reben tragen. Fürsten-
berger Esel heißen die Bewohner des auf einem Berge gelegenen
Orts Fürstenberg (Donaueschingen), da sie früher das Wasser
mit Eseln hinaufschaffen mussten. In Ober bergen (Breisach)
holt man Moos aus dem Wald für den Stall, also sind hier die
Miesrappen. Weil man in Hartheim (Staufen) und in Rotweil
(Breisach) Schilf zum Streuen im Stall verwendet, sind
dort die Lieschbündel und hier die Lieschteufel. Dahin gehört
vielleicht noch die Ortsneckerei für Leustetten (Überlingen)
Heischteffel, für Bötzingen (Emmendingen) Bflugharrenrädler
und für Buggingen (Müllheim) Helmeränze, da sie das Vieh
mit Spreu fütterten.

Aber die meisten Neckereien in dieser Beziehung haben
ihren Grund darin, was die Bewohner am meisten bauen und
oft auch am meisten essen, weshalb öfters nicht zu unterscheiden
ist, wovon der Name genommen wurde. Daher behandeln wir
im Anschluss an die Neckereien, die von der Feldbestellung herstammen
, diejenigen, welche ihren Grund in der hauptsächlichen
Nahrung haben. Besonders zahlreich sind die Ausdrücke, die
von der Bebauung der Felder mit Kraut genommen sind. So
finden wir für Opfingen (Freiburg) Krutdorsche, für Rüßwihl
(Waldshut) Chrutschlämpe, ebenso Öflingen (Säckingen) und
Hauingen (Lörrach). Für Gottenheim (Freiburg) und Wies
(Schopfheim) Krutsterze. Wegen des Baus von Rüben heißt
Thi engen (Freiburg) Rubwedel, Ober lauchringen (Waldshut
) Rübsäcke und Obersäckingen Rübschicänse. In Wall-
bach (Säckingen) die Bübmönchi, sie sollen getrocknete Rüben
essen. Dichrüben werden auch die Bohlinger (Konstanz) und
die Bötzinger (Emmendingen) geneckt. In Riedlingen (Lörrach
) wachsen kleine saure Äpfel, daher der Name Chrüslinger
und in Bahlingen (Emmendingen) die Schofnasen (eine Sorte
Äpfel). Mühlenbach (Bühl) ist die Bohnenstadt, die Reichenauer
(Konstanz) die Bohnenfresser, in Waldulm (Achern) die
Bohner, in Ottlingen (Lörrach) die Bohneränse und in Sand


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