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Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
23.1907
Seite: 93
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Alemannische Ortsneckereien aus Baden

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Zähnen herum, als hätten sie Fleisch gegessen. Stühlinger
Zigarren werden dort zu Lande die sogenannten Gipfel (Hörnchen
) genannt, weil der Stühlinger immer eher nach dieser Backware
als nach einer Zigarre greift. Wenn man nach Säckingen
kommt, friert man oder man hat Hunger. Die Rastatter sind
die Tellerschlecker; den gleichen Namen erhalten auch die Bewohner
von Lörrach und Badenweiler (Müllheim). Auch in
Balzhofen (Bühl) sind die Plattenschlecker.

Auch das Getränk hat Anlass zur Neckerei gegeben. Die
Merdinger (Breisach) heißen Schoppenkünelte. Man geht nach
Ihringen (Breisach), um Eselsmilch zu trinken. In Sandweier
(Baden) sind die Erdäpfelschnapstrinker und der Durst der
Eisentäler (Bühl) ist bekannt, man sagt ihnen zum Spott nach,
sie äßen zwei Portionen Käse oder zwei Würste zu */4 1 Bier.
Die Bewohner von Ichenheim (Lahr) heißen die Zipfelwecke,
weil dort die Wecke in einer besondern Form gebacken werden.
In Überlingen a. R. (Konstanz) sind die Gritzer(Kreuzer)brödle.
In Dundenheim (Lahr) wird viel Sauermilch gegessen, weshalb
die Bewohner Surmilchhäfe oder Surniilchplumper heißen.
Ebenso sagt man in Mengen (Freiburg), wenn es um 5 Uhr
abends läutet, es läute zur Suermilch. Die Ortenberg er (Offenburg
) werden Tünkele genannt, weil sie die Gewohnheit haben,
die Tunke mit Brot auszutunken. Warum fri Wollbach (Lörrach
) die Kochlöffel sind, ist uns nicht bekannt.

„Kleider machen Leute", heißt es im Volksmund und so
muss auch eine Eigenart in der Kleidung zu Neckereien Anlass
geben. Da sind es einmal die leinenen und zwilchenen Kleider,
die in manchen Orten mehr getragen werden und wol als Zeichen
der Armut gelten. So Buchheim (Freiburg) Zwilcher, Zarten
(Freiburg) Zwilcherne, Neusatz und Ottersweier Leinenivanst.
Warum die Bewohner von Walters weil er (Offenburg) und
Ottersweier (Bühl) JRotmäntel heißen, ist nicht berichtet. Ebenfalls
nicht, warum die von Zell i. W. (Schönau) Alte Hüte.
Ebenfalls wegen ihrer Kleidung werden die Bauern von Kirchzarten
(Freiburg) als Halbherren von den umliegenden Ortschaften
bezeichnet, da sie eine halbstädtische Kleidung tragen.

Je nach der Lage des Orts wird neben der Landwirtschaft
noch etwas Gewerbe getrieben und diese Beschäftigung gab
auch Anlass zu Ortsneckereien. Die Dörfer, die in waldiger
Gegend liegen, handeln mit Kienholz, Harz oder Besen. So sind


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