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Volkslieder und Schwanke aus Lobenfeld
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gingen, wodurch sie guten Verdienst hatten. Daher werden
sie mit dem Reim gehänselt:
DMicklecher Leit
die sen so gscheit,
die halte ihr Kerwe,
wanns Buschigeid geit59.
58.
Will oder kann man jemand, nach dem man gefragt wird,
nicht genau bezeichnen, so sagt man: „der Parre vun Haag''
oder „der Ferschter vun Klonschter" (vgl. 63).
59.
Die Leute von Reichartshausen heißen die „Routmend-
lin", d. h. Routmännlein, von dem roten Sand, der dort zu Tag
tritt. Von ihnen wird die Schildbürgergeschichte erzählt, dass
sie, als ein Storch in die Gemeindewiese kam, im Gemeinderat
beraten haben, in die Wiese ein Scheuertor zu tragen, um darauf
den Storch hinauszuschaffen.
60.
Die Epfenbacher gelten als langsam, darum geht von
ihnen der Spruch:
Ich bin vun Epfebach,
drum geht mei11 Sach so gmach.
61.
Die meisten Schildbürgergeschichten erzählt man sonst von
den Eberbachern. So weiß schon Bernhard Baader60, dass
sie den Namen „Sackbrenner'' tragen, weil sie, um das Zeichnen
der Fruchtsäcke zu beschleunigen, diese aufeinanderlegen und
mit dem Stadteisen durchbrennen ließen. Sonst heißen sie gewöhnlich
„Kukuksfresser"61 oder „Kukuke". Es wird erzählt,
59 geit == gibt. Vgl. Arnold, Alem. XXVII, 206, 219 und Bender
252, wo an Stelle der Mückenlöcher: Heidelbeerleut, und an Stelle des
Buschelgelds: Heidelbeer eingesetzt sind.
60 Volkssagen aus dem Lande Baden, 1851, Nr. 362.
61 Vgl. auch 0. Heilig, Die Ortsnamen des Großherzogtums Baden
S. 123.
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