Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., H 465
Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften [Hrsg.]
Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften
23.1907
Seite: 193
(PDF, 70 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1907/0213
Johann Michael Moscherosch und sein Geburtsort Willstätt 193

Kaiserlichen eingenommen und gebrandschatzt. Viele Einwohner
erlagen den Grausamkeiten der Soldaten. Die Mädchen
wurden den Eltern entrissen und weggeführt. Infolge der
Ausplünderung war Michael Moscherosch unfähig, 1633 den
von 375 8" Hauptguts fälligen achten Teil für „Georg Tilgers
Reben von Ulm" zu bezahlen. Die Gemeinde erlegte ihm
diese Summe. Im Herbste des nächsten Jahrs (1634) näherte
sich Johann von Werdt dem befestigten Willstätt. Am
27. September, als eben noch alle Scheunen gefüllt waren,
wurde das Städtchen eingenommen und niedergebrannt. Auch
<las Haus Moscheroschs ging in Flammen auf. Die Einwohner
flüchteten sich nach Straßburg oder nach der Schweiz. Der
Schaden war groß. Als am 4. März 1635 der Kriegsschaden
zusammengestellt wurde, stand in dem Willstätter Kriegsschadenverzeichnis
: „Michael Moschorosch hatt Brantschaden
angeben an Hauß, scheur, Ställ, Häu, Stro, Haußrath, geschätzt
für 1800 fl." Die Familie Moscherosch flüchtete sich
nach Straßburg und kehrte nur zu den Feldbestellungsarbeiten
wieder zurück. Es brach eine schreckliche Hungersnot aus
und dazu hauste die Ruhr. Hans Michael Moscherosch traf
damals in Straßburg mit seinen Kindern als Flüchtling mit
seinen verarmten Willstätter Angehörigen zusammen. Er
konnte all den Schmerz mit den Seinigen teilen. 1634 war
ihm die erste Gemahlin und 1635 auch die zweite, Barbara
Paniel, durch den Tod geraubt worden. Nun sass auch er im
Elend als Witwer. Einer seiner Brüder, Hans Christoph,
war Wundarzt und Barbier in Straßburg, ein anderer, Maternus,
war Schuhmacher dortselbst. 1636 hatte sich die Familie
Moscherosch wieder nach Willstätt gewagt. Hunger und
Krankheit wüteten fürchterlich. Unter den vielen, die jenen
Sommer dem Ansteckungstod erlagen, war auch Moscheroschs
Vater. Die letzte Ehre wurde dem Strebsamen am 10. Juli

1636 erwiesen. Nun war für die Familie Moscherosch weder
Auskommen noch Sicherheit in Willstätt zu erhoffen, sie
flüchtete wieder nach Straßburg9. Willstätt war ein verödeter

9 Moscheroschs Sclrwester Maria Magdalena starb am 4. September

1637 als Flüchtige in Straßburg.
Alemannia N. F. 8, 3.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zgb1907/0213