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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1968/0037
Edilbert Menne

4. Studium der Theologie im Kloster St. Anna zu Passau

Auch das Franziskanerkloster zu Passau verdankte seinen Ursprung wie jenes
zu Hechingen den gegenreformatorischen Absichten des Landesfürsten, dieses Mal
des Fürstbischofs. „Nachdem nun Bischof Urban 151 seine Haupt- und Residenzstadt
von den Bekennern der lutherischen Lehre gänzlich gereinigt hatte und seiner Meinung
nach das Einreißen dieser Ketzereien in der Stadt Passau aus dem Mangel
tüchtiger Religionslehrer und Predigt entstanden war, berief er, um diesem Mangel
abzuhelfen, im Jahre 1564 zwölf Geistliche aus dem Orden der Franziskaner und
erbaute für dieselben in der Nähe des Burgthores mit Hilfe milder Beiträge ein
Kloster nebst Kirche1"." Als 1619 die Neubauten des St. Annaklosters und der
Kirche vollendet waren, umfaßte der Konvent schon über 30 Patres I5S.

Nach Urban von Trenbachs Wille, im Gefolge der tridentinischen Reformmaßnahmen
, wurde das Franziskanerkloster zugleich die erste provisorische Unterkunft
des Passauer Priesterseminars bis zum Jahre 1638. Von da an studierten die Passauer
Theologen bei den Jesuiten bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts 1M.
Der jansenistenfreundliche Fürstbischof Joseph Maria Graf von Thun (1713-1763)
hatte vor seinem Tod noch eine neue „Idea Studiorum pro anno scholastico 1763 et
sequenti..." ausgearbeitet, die dann sein Nachfolger Bischof Leopold Ernst Kardinal
Firmian, der auch ein Begünstiger des Jansenismus in der Diözese war, übernahm
und durchführte155. Nach dieser neuen Studienordnung wurden die Studenten
des Priesterseminars durchgehend auf die theologischen Quellen verwiesen. In dogmatischen
Kontroversfragen sollte Augustinus maßgebend sein, in moraltheologischen
Problemen galten die „strengeren Autoren m". - Nach den Angaben M. Kerkers
in seinem Aufsatz „Wanderungen des Jansenismus durch die katholischen
Staaten Europas" war damals unter den Alumnen der österreichischen Priesterseminare
die Lektüre von Pascals Lettres a un Provincial, der Werke Arnaulds, Nicoles,
Duguets und M&enguys allgemein beliebt157. Und im angrenzenden Passau dürfte
es genauso gewesen sein 158.

Als Edilbert Menne zum Studium der Theologie nach Passau kam, waren an
der Hochschule von St. Anna als Lektoren Engelbert Ruoesch und Anaklet Rosskopf
und an dessen Stelle ab 1774 Bertrand Erdt, als Repetitor Camillus Meichel-
beck tätig u*. Die geistige Atmosphäre von Passau hat Menne sehr zugesagt: „Hier
wurde er mit neuen Büchern bekannt, und nun verwendete er alles, was ihm seine

151 Gemeint ist Urban von Trenbach (1563-1598).

158 A. Erhard, Nachtrag zur Geschichte und Beschreibung der ältesten Gebäude der Stadt Passau
(die Franciscanerkirche nebst Kloster), in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern
VIII (Landshut 1856) 175-182.

"» Ebenda 178.

154 Oswald, Art. Passau, in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Aufl., VIII (1963) 141.

155 Vgl. Joseph Müller, Der Freiburger Pastoraltheologe Carl Schwarzel (1746—1809) unter besonderer
Berücksichtigung seiner Stellung zu Jansenismus und Aufklärung, Diss. theol. (Masch.), Freiburg
1958, 3 Anm. 9.

im Vor allem Paul Gabriel Antoines (1678—1743) Theologia moralis universa, Pont-a-Mousson 1726.
Deutsche Ausgabe, Passau 1766.

157 M. Kerker, in: Historisch-Politische Blätter 86 (München 1880) 724. - Vgl. auch Fritz Valjavec,
Geschichte der abendländischen Aufklärung, Wien — München 1961, 179.

158 Vgl. dazu J. Müller, Der Freiburger Theologe 201.
15> Analecta Franciscana VIII 299.

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