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Biemer
Trotz dieser zeitraubenden Arbeit verfaßte Menne gleichzeitig das umfangreiche
„Praktische Kranken- und Sterbebuch für Katholiken", um auch seinen „kranken
und sterbenden Brüdern" zu nützen 225 und „dem ohnehin durch Katechesen,
Predigten, Beichtstuhl, Oekonomie und zehen andere Geschäfte beladenen Priester
und Seelsorger die Mühe in etwas zu erleichtern" 226. Das Buch erschien 1798 und im
gleichen Jahr dazu der „Kurzgefaßte Katechismus für Kranken und Sterbende. Ein
Auszug aus dem praktischen Kranken- und Sterbebuch".
So war Menne die Selbstverwirklichung seines Lebens gelungen. Sein „mangelhaftes
Auge", „seine schwächliche Leibesbeschaffenheit" 227 hatten sich als durchaus
tragfähige Fundamente erwiesen, um ihn zum fruchtbarsten katechetisch-homiletischen
Schriftsteller seines Ordens werden zu lassen.
3. Verbannt nado Hocbalting
In einer Zeit politischer und militärischer Unruhen, als die Heere Napoleons
unter General Decaen gegen die Kaiser Franz' II. unter Kray sich in Oberschwaben
und an der Donau Schlachten lieferten und bis München vordrangen 228, saß Menne
mehr oder weniger unberührt von den großen Wirren über seinen Manuskripten.
Im Sommer 1796 kamen die ersten Flüchtlinge, zu Beginn der zweiten Septemberhälfte
die französischen Heere nach Lechfeld 229. Während das Dorf und die Umgebung
unter der Besatzung, dem Rückzug der Franzosen im Herbst 1796, ihrem erneuten
Anmarsch im Juni 1800 zu leiden hatten, „blieben Kloster und Kirche vollständig
verschont" 280.
Im Mai 1797 schloß Menne das Manuskript seines „Kurzgefaßten Katechismus
für ledige Manns- und Weibspersonen" ab231. Am 9. April 1798 war sein „Praktischer
Katechismus für Eheleute" fertig geworden und zehn Tage später, am 19. April,
das Buch über „Die Kunst zu bethen und Kinder bethen zu lehren". Alle drei Werke
erschienen 1799.
Die Publikation des „Praktischen Katechismus für Eheleute" hatte jedoch für
Menne ein folgenreiches Vor- und Nachspiel. Im Gegensatz zu allen anderen Werken
des „Verfassers der neubearbeiteten Predigtentwürfe" erschien es nicht mit dem
Imprimatur des Augsburger Ordinariats, sondern mit der Adprobation Ordinariatus
Constantiensis: „Opusculum cui Titulus: Praktischer Katechismus für Eheleute, cum
non solum nihil varae (sie!) fidei dogmatis, bonisque moribus adversum contineat,
225 Praktisches Kranken- und Sterbebuch S. VI.
22« Ebenda VII.
227 Felder I 470.
228 Vgl. Michael Ignaz Schmidt, Geschichte der Deutschen, fortgesetzt von Joseph Milbiller, 21. Theil:
Kaiser Franz II. Vom Jahre 1792 bis 1806. (Ulm 1807) 247-251.
228 Lins, Lechfeld 57 f.
230 Ebenda. — Vgl. dazu Liber archivalis I 73 f.
231 Nicht zu verifizieren ist die Angabe in Analecta Franciscana VIII 537 ff., wonach dieses Werk
nicht erst 1799 publiziert worden sei, sondern schon 1798 unter dem Titel: „Praktische Beleuchtungen
der Standespflichten für ledige Manns- und Weibspersonen, die sich zu verehelichen gedenken
." —
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