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Kaufliold
Kaisergewänder. Ich werde diese Stickereien, Plattstich und Goldrelief unter Glas
und Rahmen setzen lassen, es sind 8 Stück. Bock weiß nichts davon, denn Baruch
und Bock sind Todtfeinde - Christ und Jude mit Verwechslung der Rollen." 214
Im Winter 1868 befällt den Fürsten ein unheilbares Fußleiden. In den politisch
unruhigen Jahren von 1870/71 behält er dennoch seine Stellung als Militärgouverneur
der Rheinprovinz und Westfalens bei. Nach Beendigung des deutsch-französischen
Krieges gibt er seine Stellung und seinen Düsseldorfer Wohnsitz, den er zu einem
bekannten Treffpunkt der Künstler gemacht hatte, auf und kehrt am 15. April
1871 nach Sigmaringen auf das Residenzschloß seiner Väter zurück. Seit seinem
Weggang von Sigmaringen waren über 20 Jahre vergangen. Schon während der
letzten Jahre in Düsseldorf weilten seine Gedanken oft bei seinen Lieblingen, den
Kunstschätzen, im neuerrichteten Museum. Nach dem bewegten Leben in der Politik
und im Dienste der preußischen Armee fand Karl Anton in der Heimat die
wohlverdiente Ruhe und Muße, sich der Kunst zu widmen. „Ich lebe in der Ernte
meiner Saat. Meine Sammlung bereichert sich täglich mehr, und es ist meine liebste
Zerstreuung, mich daran zu erfreuen." 215 In Bad Wildungen und Bad Nauheim bei
Frankfurt sucht Karl Anton Heilung. Auch hier besuchen ihn die Antiquitätenhändler
. Eine weise Abgeklärtheit spricht aus den Zeilen Karl Antons aus Frankfurt
vom 2. Januar 1874: „Ich sehe alle die verlockenden Sachen von meinem Fenster
und Wagen aus und habe genug an dem unentgeltlichen Anblick." 216 Am
2. Juni 1875 schreibt der Fürst aus Bad Wildungen an Mayenfisch: „Es gibt viele
Juden hier, denen ich die Ausschau nach Altertümern übertragen habe; es sey
früher vieles vorhanden gewesen. Goldschmidt aus Frankfurt hält jährlich Razzia
und bekommt alles." 217 Der Schwerpunkt der Kunstankäufe hatte sich seit 1867 zu
Gunsten der kunstgewerblichen Arbeiten verlagert. Die jährliche Zunahme an
Kunstgegenständen aller Art war beträchtlich. Die neuerworbenen Stücke im Galeriebau
, die von 1878 bis 1881 hinzukamen, erforderten eine zusätzliche Versicherung
von 72 630 Mark. Die Wertsteigerung des Kunstbesitzes in den genannten
Jahren betrug etwa 25 Prozent des Gesamtbestandes 218.
Der Zuwachs an Gemälden von 1867 bis 1883 ist aus der 2. Auflage des Verzeichnisses
der Gemälde ersichtlich. Er betrug 16 Bilder: 7 altitalienische, 2 altkölnische
, 5 schwäbische, 1 Rubens und 1 Monogrammist. Diese Gemälde kamen in die
Seitenkabinette und auf Staffeleien im Saal. Karl Anton und Lehner veränderten
die Hängung aus dem Jahre 1867 im Saal nicht, obwohl darunter schwächere Werke
waren. Dies geschah vermutlich mit Rücksicht auf die vorhandenen Kataloge.
Dem Vorbild der großen Staatsgalerien folgend, hatte Fürst Karl Anton neben
seiner Gemäldesammlung ein Kupferstichkabinett angelegt. Diese Sonderabteilung
fand, nach der Einrichtung des Museums, im altdeutschen Saal ihre Aufstellung21".
Die wertvollsten Exemplare lagen unter Glas; Stempel und Wasserzeichen konnten
von der Rückseite eingesehen werden. Die Sammlung enthielt neben den frühen
Arbeiten deutscher und niederländischer Meister (Martin Schongauer, Beham, Golt-
214 Ebenda.
215 Karl Theodor Zingeler, Karl Anton, a. a. O., S. 89 ff.
»« FAS, HS 53, 83 UF 10.
217 Ebenda.
«8 FAS, Bestand Hofverwaltung, R 7, NVZ 15656.
219 FHBS, Registratur, Nr. 11, Kupferstiche.
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