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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1968/0100
Kaufhold

von 1905 deutlich erkennen (Abb. 21). Die Vortragskreuze an den Säulen sind
zumeist entfernt. Eine zusätzliche Vitrine für die zahlreichen italienischen und deutschen
Plaketten stand statt der historischen Sitzmöbel in der Mitte des Saales. In
den übrigen Vitrinen beließ Groebbels nur noch besonders wertvolle und typische
Einzelstücke des Kunsthandwerks. In die frei gewordenen Flächen der Gemäldewand
wurden erstmals Schnitzwerke eingestellt. Aus den Eintragungen von Groebbels
im Lehnerschen Gemäldeverzeichnis von 1871 lassen sich nur noch je 30 Gemälde
statt 60 an den Langseiten nachweisen. Gleichzeitig vermerkte Groebbels in
dem gleichen Katalog die vorgenommene Umhängung.

Fürst Leopold zeigte stets großes Interesse für die vor- und frühgeschichtlichen
Funde Hohenzollerns. Schon im Jahre 1886 erwarb er alemannische Langschwerter,
Scramasaxe und Perlenketten, die bei der Bebauung des Geländes „Die Gass" in
Gammertingen zu Tage kamen. 1901 wurde das Gelände weiter bebaut und eine
Menge alemannnischer Gegenstände gefunden. Ökonom Dorn aus Haid bei Troch-
telfingen untersuchte vom 12. Dezember 1902 bis 20. Januar 1903 systematisch und
gründlich das anschließende, unbebaute Gelände. Er legte in dieser Zeit etwa 200
Gräber frei, die reiche Funde enthielten: den bekannten Gammertinger Helm, die
eiserne Brünne, Fibeln (Abb. 18) u. a. Die großzügige Vergütung des Fürsten ver-
anlaßte Dorn, seine Funde an das Fürstliche Museum abzuliefern. Die Erwerbung
durch Fürst Leopold war nicht selbstverständlich, da Dorn zu anderen Museen, die
ihn stets umwarben, Beziehungen hatte. Hofbuchbinder Rudolf Göckel aus Gammertingen
berichtete Groebbels laufend über die Funde und half tatkräftig mit, daß
Dorn seine Funde gewissenhaft nach Sigmaringen ablieferte. Verschiedene Grundstücksbesitzer
setzten diese Grabungen auch in den folgenden Jahren aus privaten
und wirtschaftlichen Gründen fort und boten ihre Funde dem Fürstlichen Museum
an. Unter ihnen war besonders fachkundig und eifrig Zimmermeister Wilhelm
Hebeisen, der bis 1906 laufend Beträge für seine Funde erhielt2es.

Fürst Leopold beauftragte Groebbels mit einer Publikation dieser reichhaltigen
Funde. Mit Eifer widmete sich Groebbels dieser Aufgabe. Er beschäftigte sich intensiv
mit dem Problem der Herkunft und Entstehung der Spangenhelme2M. Professor
J. Ficker in Straßburg stellte Groebbels in selbstloser Weise die notwendige Fachliteratur
zur Verfügung 265. Groebbels unterhielt einen umfangreichen Briefwechsel
mit Museumsdirektoren, deren Museen Spangenhelme besaßen. Maignien in Gre-
noble, Lutz in Wien, Henning in Straßburg, Lehmann in Zürich, List und Gradmann
in Stuttgart lieferten Groebbels Aufnahmen und Beschreibungen ihrer Spangenhelme
, so daß Groebbels zum ersten Mal eine wissenschaftliche Bearbeitung der bislang
bekannten Spangenhelme mit sehr genauen Wiedergaben publizieren konnte.
Er stellte an Ort und Stelle Untersuchungen an über die Ornamentsformen der
Helme; ihm gelang der Nachweis, daß die Ornamente spätrömische, frühchristliche
und germanische Elemente enthielten. Das Werk erschien unter dem Titel: Der
Reihengräberfund von Gammertingen, auf höchsten Befehl Seiner Königlichen Ho-

26S FHBS, Registratur, Nr. 24, Fundsachen, Gammertinger Fund, Mappen a—e.

284 Die acht weiteren Spangenhelme sind: der von Vezerone, heute in Grenoblej der von Balden-
heim, heute in Straßburg; der von Chalons sur Saöne, jetzt im Zeughaus Berlin; 2 von Vid,
einer davon jetzt in Wien; der von Petersburg; der von Giulia Nova; der von Gültlingen, heute
in Stuttgart.

265 Vgl. Quellenanhang Nr. 16.

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