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Neues Schrifttum
Besprechungen
Kurt Hils, Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert. Ihre Stellung zum Adel, zum
Reich und zur Kirche.
Freiburg i. Br.: Eberhard-Albert-Verlag 1967. 160 S. Kart.
(Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 19).
Im zweiten Band dieser Zeitschrift hatten wir versucht, einige neuere Arbeiten zur
Geschichte des schwäbischen Adels zu charakterisieren, auf ihre gemeinsamen Forschungsanliegen
hinzuweisen und ihre positiven Ergebnisse herauszustellen. Die vorliegende Freiburger
Dissertation aus der Schule von Gerd Teilenbach grenzt im räumlichen Sinn an die
bereits angezeigten Arbeiten von H. J. Wollasch über St. Georgen und Helmut Maurer über
das Land zwischen Schwarzwald und Randen an, mit denen sie sich thematisch überschneidet
. In unserem Forschungsbericht war es darauf angekommen, unter Weglassung wichtiger
Details auf eines der Hauptthemen abzuheben, das alle genannten Autoren beschäftigte:
dasjenige der Entstehung adliger Herrschaften, die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts
konkret faßbar geworden sind. Die Nellenburger, mit denen sich das vorliegende
Buch beschäftigt, sind im behandelten Zeitraum ohne Zweifel die führende Familie des
Bodenseeraumes. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die zwei Generationen um den
Grafen Eberhard den Seligen, Gründer des Allerheiligenklosters in Schaffhausen, und seinen
Sohn Burkhard, eine der führenden Persönlichkeiten im geistigen und politischen
Kampf gegen die Anhänger Heinrichs IV. in Schwaben. Mit ihm ist sein Familienzweig
ausgestorben. Die Kapitel, in denen die Nellenburger, neben Burkhard insbesondere seine
Brüder Erzbischof Udo von Trier und Abt Ekkehard von Reichenau, in die Auseinandersetzungen
des sogenannten Investiturstreites hineingestellt werden, sind lesenswert; gelungen
ist auch der Versuch, die um die großen Reformklöster gruppierten und zur antiköniglichen
Partei zählenden Adelsfamilien namhaft zu machen und so den großen Riß sichtbar werden
zu lassen, der das Land spaltete.
Weniger befriedigt wird derjenige sein, der von diesem Buch neue Aufschlüsse über die
Anfänge der Nellenburger Grafenfamilie erwartet. Der Verfasser hat die ganze schwierige
Problematik ausgeklammert und nur dort, wo eine Stellungnahme nicht zu vermeiden war,
Lösungsmöglichkeiten angedeutet, die jedoch nicht über das Bekannte hinausgehen. 1056 ist
von der Nellenburg, also der damals neuerbauten Burg bei Stockach, als von „meum ca-
stellum de Nellinburc" die Rede, nach der erstmals im Jahre 1080 ein Familienglied genannt
wird. Aus Allodialbesitz, einem durch Heinrich IV. verliehenen Forst- und Wildbann
, aus Vogteirechten, war die „allodiale Grafschaft" Nellenburg entstanden, während
zu diesem Zeitpunkt die eigentlichen Grafschaften Eberhards von Nellenburg im Zürichgau
, zeitweilig auch im Neckargau, an andere übergegangen waren. Diese Verlagerung des
Schwerpunktes mit der am Rande gelegenen Burg Nellenburg zeigt sich auch bei der Betrachtung
der Nellenburger in ihrem Verhältnis zur Reichenau, wo sie vor der Begründung
des Allerheiligenklosters ihre Grablege hatten. Schon der Reichenauer Vogt Burkhard des
ausgehenden 10. Jahrhunderts wird als Vorfahre der Nellenburger anzusehen sein; ein
Bruder Eberhards des Seligen ist jener Manegold, der im Kampf gegen Herzog Ernst II.
von Schwaben gefallen ist und zahlreiche Reichenauer Lehen innehatte. Auf diesem noch
verhältnismäßig gesicherten Fundament wurde schon früher versucht, weiterzukommen.
Die Vermutung, die Nellenburger seien auf die schwäbische Herzogsfamilie der Burkhardinger
zurückzuführen, ist genealogisch begründet und auf Grund der Besitzlage - zuletzt
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