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Decker-Hauff
Haus Hohenberg-Nagold gebracht, wo er durch fünf Generationen regelmäßig wiederkehrt
und stets einer Tochter gegeben wird, die später als Nonne im Hauskloster
Reuthin erscheint. Anscheinend handelt es sich um einen sogenannten „geistlichen
Namen", der die Trägerin (oder den Träger) schon von Kind an zur geistlichen
Laufbahn mehr oder minder fest bestimmte. Man kann das z. B. mit dem Namen
Brun im Umkreis der Grafen von Calw, Egisheim und ihrer Verwandten vielfach
beobachten. Meist ist in solchen Fällen der erste Namensträger eine geistliche Person
von überörtlicher Bedeutung gewesen. Auf welche Agnes der Name hier zurückweist
, muß noch erforscht werden.
Die Namen der Töchter werden, so nimmt man jedenfalls vielfach an, mit Vorliebe
nach den Großmüttern gewählt. Wie ungemein vorsichtig man aber bei solchen
Annahmen sein muß, wie außerordentlich wenig man hier die viel zitierte „Gesetzmäßigkeit
" findet, zeigt das Haus Zollern-Hohenberg-Nagold geradezu beispielhaft
: hier tauchen Frauennamen auf, die unverkennbar auf viel weiter zurückliegende
Ahnengeneration weisen, von viel älteren Ahnfrauen als von Großmüttern
übernommen sind. So trägt Mechthild von Hohenberg, Frau des Grafen Wölflin
von Veringen und nach dessen Tod Nonne im Hohenberger-Kloster Reuthin, ihren
Vornamen nach ihrer t/rgroßmutter Mechthild von Hohenberg geborenen von
Tübingen (der Mutter der Königin Gertrud-Anna) und in zweiter Linie nach ihrer
Großvatersschwester Mechthild von Hohenberg, Äbtissin zu Wald, aber nach keiner
Großmutter.
Ebenso weit zurück führt die Herleitung des sonst bei den Hohenbergern nicht
üblichen Taufnamens Elisabeth, den die neugefundene Reuthiner Nonne und Tochter
des Grafen Otto (GD Kunigunde von Wertheim) trägt. Unter ihrer ganzen Ahnenschaft
und Verwandtschaft gibt es nur eine Elisabeth, von der der Name herrühren
kann: Elisabeth von Schlüsselberg, Frau des Grafen Konrad von Vaihingen.
Beider Tochter - ihren bisher unbekannten Vornamen Agnes wissen wir jetzt sicher
durch die Genealogia Reuthinensis - heiratete Burkhard von Hohenberg-Nagold.
Dies sind die Großeltern der Nonne Elisabeth, diese trug also ihren Vornamen wiederum
nach einer C/rgroßmutter.
Noch weiter zurück liegt der Anknüpfungspunkt für den um 1320/30 im Hause
Hohenberg-Nagold auftauchenden Taufnamen Hugo. Er kann, wie genaue Durchmusterung
aller Seitenverwandtschaften ergibt, nur von dem Pfalzgrafen Hugo
von Tübingen abgeleitet werden, dem Vater der Liutgard, die um 1260 durch ihre
Ehe mit dem Königsschwager Burkhard von Hohenberg die gemeinsame Stammmutter
der beiden zollerischen Linien Hohenberg-Nagold und Hohenberg-Wildberg
wurde. Hier erscheint der wiederaufgenommene Name erst in der Generation der
Ur-urenkel; mit anderen Worten: Graf Hugo von Hohenberg erhielt um 1320 ff.
seinen Namen nach einem um 1210 geborenen Ururgroßvater.
Solch große Intervalle, von vielen Forschern überhaupt nicht berücksichtigt,
legen die Frage nahe, ob nicht in den Zwischengenerationen der so lange intermittierende
Name einmal aufgetaucht ist, ohne daß wir heute noch davon Kenntnis
haben. Viel zu sehr wird bei solchen Überlegungen ja immer das vorhandene Namenmaterial
als das einzig überlegenswerte betrachtet und zu wenig bedacht, wie
viele Personen, und nicht nur Kinder, uns in den Urkunden nicht genannt werden,
wie lückenhaft für das vierzehnte, oft noch für das fünfzehnte Jahrhundert unsere
Kenntnis von Kinderreihen sind. Früh verstorbene Kinder haben nur in den sel-
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