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Prinzenbau in Sigmaringen
einen neuen Eingang zum Gebäude Karlstraße 3 neben der Toreinfahrt an, weil die
Benutzung des Eingangs im Verbindungsbau durch die Schülerinnen nicht gewünscht
wurde.
Anfang September 1939 mußten die Schwestern der christlichen Liebe dem Reservelazarett
weichen. Aufgrund des Reichsleistungsgesetzes nahm die Heeresverwaltung die
Räume des Neuen Prinzenbaus für ein Teillazarett in Anspruch. Den Schwestern
verblieben nur noch das Dachgeschoß, einige Kellerräume und die Kapelle im sogenannten
Kapellensaal als Wohnung. Das Pensionat wurde aufgehoben53. Im September 1944
wurde ebenfalls auf der Rechtsgrundlage des Reichsleistungsgesetzes der Prinzenbau für
die Deutsche Botschaft in Paris beschlagnahmt. Sie brachte hier die französische Vichy-
Regierung unter Marschall Petain unter. Am 9. September belegte die Vichy-Regierung
die Räume im Erdgeschoß und im ersten Stock des Neuen Prinzenbaus, am 28.
September das Erdgeschoß im Alten Prinzenbau, und zwar alle Räume südöstlich des
Hauseinganges Karlstraße 1. Sie quartierte hier verschiedene Behörden ein. Während
dieser Zeit litten die Räume stark, vor allem durch die Lagerung von Brennholz in den
Wohnräumen und mangelhafte Reinigung54.
Nach Kriegsende beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht Räume im
Erdgeschoß des Alten Prinzenbaus (Karlstraße 1) und wohl auch im Neuen Bau. Hier
war die aus Marokkanern bestehende Wachkompanie des Kommandierenden Generals
eines Korps der 1. französischen Armee Rhin et Danube stationiert. Nach Freigabe der
Räume in der Karlstraße 1 im Juni 1947 wies das Wohnungsamt diese Zimmer dem
Arbeitsamt Sigmaringen als Büroräume zu.
Während der ersten Hälfte der 50er Jahre befanden sich im Prinzenbau die
Bundespost und die Druckerei Liehner während des Umbaus ihrer eigenen Gebäude. In
der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts hatten im Neuen Prinzenbau (Karlstraße 3) das
Landwirtschaftsamt (im ersten Stock) und die Landwirtschaftliche Schule Unterkunft
gefunden. Letztere unterhielt ihre Unterrichtsräume und ihr Mädcheninternat im
Dachgeschoß. Einige Zimmer im ersten Stock waren an das Staatliche Vermessungsamt
Sigmaringen vermietet, ein Raum im Erdgeschoß an den städtischen Friedensrichter und
später an die Gesellschaft für Kunst und Kultur, die hier ihr Büro betrieb. Zwischen 1961
und 1965 hatte die Hohenzollerische Landesbank ihre Geschäfts- und Büroräume
hierher verlegt, solange ihre eigene Unterkunft im ehemaligen Ständehaus ausgebaut
wurde. - In der Karlstraße 1 waren bis in die Gegenwart Wohnungen an Privatpersonen
und Büroräume u. a. an eine Fahrschule und an einen Notar vermietet.
Am 1. Oktober 1947 mietete das Staatsarchiv Sigmaringen im Neuen Prinzenbau
(Karlstraße 3) sieben Räume an, 1956 einige Räume im Erdgeschoß des Alten Prinzenbaus
(Karlstraße 1), im August 1958 nach dem Tod der Fürstin Adelgunde den gesamten
ersten Stock im Alten Bau und im Februar 1966 schließlich den ganzen Neuen
Prinzenbau. Im August 1980 kaufte das Land Baden-Württemberg den Prinzenbau -
Alten und Neuen Bau - zur Nutzung durch das Staatsarchiv Sigmaringen an.
53 Ebenda.
54 Ebenda, Neuverz. Akten 31293.
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