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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1982/0227
Württemberg-Hohenzollern als Land der französischen Besatzungszone

why the French Government attach such importance to having the entire province of Baden but
brought forth nothing neww. Nun endlich schien eine Einigung zwischen Amerikanern und
Franzosen über die Besatzungszone der letzteren in Deutschland in greifbare Nähe zu rücken.
Am 16. Juni kabelte Winant, daß Massigli ihm an diesem Tag ein Memorandum als französische
Antwort auf den amerikanischen Vorschlag vom 4. Juni übergeben habe 15°. Ganz offensichtlich
war die Pariser Regierung jetzt kompromißgeneigt, um nicht die Einrichtung eines Alliierten
Kontrollrats für Deutschland zu behindern und vor allem, um nicht Frankreichs Beteiligung an
diesem Kontrollrat zu gefährden. Grundsätzlich aber wollte sich die französische Regierung
eine spätere Revision der Vereinbarung vorbehalten. Denn in den Augen der französischen
Regierung bedeuteten die jetzt zu vereinbarenden Grenzen einer französischen Besatzungszone
aprovisional Solution which should be revised at a later date. Eine entsprechende salvatorische
Klausel sollte von vornherein auch von allen vier Siegermächten anerkannt werden. In
Süddeutschland begnügte sich die französische provisorische Regierung nunmehr mit den
Bezirken Konstanz und Freiburg sowie dem Kreis Karlsruhe südlich der Bahnlinie Bruchsal-
Mühlacker, wobei die Bahnlinie selbst in der US-Zone verbleiben könne. In Württemberg
beanspruchte de Gaulles Regierung nur den Kreis Friedrichshafen, in Bayern den Kreis Lindau.
Zum Punkt Württemberg ergänzte Botschafter Winant noch: French Government does notseek
to occupy remaining districts in South Württemberg as offered by US but will accept them if US
Government insists.

Wenige Tage später ließ Winant seinem Außenminister eine eigene Stellungnahme zu dem
erwähnten französischen Memorandum zukommen151. Darin äußerte er sich kritisch zur
französischen Beteiligung an der Besetzung Württembergs: / believe unwise press French to
occupy southern Württemberg. Great obstacles would confront population of Württemberg in
reconstructing regional political life if this compact territory, with its formerly strong liberal
traditions, is arbitrarily divided between US and French zones of occupation. Ja, Winant konnte
sogar darauf hinweisen, daß eine eventuelle Teilung Württembergs zwischen zwei Besatzungszonen
der Absicht der politischen Dezentralisation und der Entwicklung lokaler politischer
Kompetenzen widersprechen würde. Beides waren Ziele, die die Großen Drei verbindlich
vereinbart hatten.

Doch ungeachtet aller Vereinbarungen und früheren Überlegungen hatte sich jetzt im
Washingtoner Außenministerium offenbar der Gedanke verfestigt, die Franzosen könnten
Nordbaden wegen der Bedenken des War Department nicht erhalten und müßten dafür
Südwürttemberg einschließlich Hohenzollern nehmen, gleichviel ob sie es wollten oder nicht.
Einwände berücksichtigte das State Department nicht mehr, auch wenn in letzter Minute noch
einmal Murphy und sogar de Lattre de Tassigny solche hervorbrachten. Letzterer, der
Oberkommandierende der I. Französischen Armee in Lindau, hatte die Amerikaner wissen
lassen, daß Karlsruhe für die Franzosen wichtig sei. Als Grund gab de Lattre die Rolle
Karlsruhes als Verwaltungszentrum und als Sitz von Archiven an. Es blieb unklar, warum in
diesem Augenblick noch de Lattre aktiv wurde. Möglicherweise suchte man damit von
französischer Seite ein gewisses Gegengewicht zu Eisenhower und dessen Einfluß als Oberbefehlshaber
auf die Verhandlungen zu schaffen152. Doch dazu war es zu spät.

149 Memorandum of Conversation, by the Chief of the Division of Central European Affairs,
Riddleberger (June 7, 1945), in: FRUS, 1945 III S. 332.

150 The Ambassador in the United Kingdom, Winant, to the Secretary of State (June 16,1945), in: FRUS,
1945 III S. 340-341.

151 The Ambassador in the United Kingdom, Winant, to the Secretary of State (June 19,1945), in: FRUS,
1945 III S. 341-342.,

152 FRUS, 1945 IIIS. 342. Wahrscheinlich war f ranzösischerseits beabsichtigt, mit dem Aktivwerden von
de Lattre, dem französischen Oberbefehlshaber, die Bedeutung der Stellungnahme von General Eisenhower
, dem US-Oberbefehlshaber, abzuschwächen.

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