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Württemberg-Hohenzollern als Land der französischen Besatzungszone
fraglich. Wirtschaftliche Überlegungen spielten bei den Amerikanern 1945 nur die gleiche
vordergründige Rolle wie ähnlich bei den Befürwortern des Südweststaates in den Auseinandersetzungen
um einen Länderzusammenschluß in den folgenden Jahren. Vor allem aber war die
amerikanische Entscheidung für ein Land Württemberg-Baden 1945 maßgeblich von Überlegungen
bestimmt worden, die mit Südwestdeutschland wenig zu schaffen hatten, sondern
vielmehr Folge der weitreichenden Unstimmigkeiten zwischen den USA und Frankreich
waren.
Im einzelnen ergibt sich die amerikanische Erzwingung eines Landes Württemberg-Baden-
und in der Folge als Gegenstück eines neuen Landes Württemberg-Hohenzollern - noch
deutlicher als aus deutschen Quellen aus amerikanischen Akten und vor allem aus den
nachgelassenen Papieren des amerikanischen Historikers Walter L. Dorn, eines Deutschlandexperten
und politischen Beraters der amerikanischen Führung in Deutschland190. Dorn hatte
Oberst Dawson und Ministerpräsident Reinhold Maier begleitet, als es galt, den Widerstand
von Heinrich Köhler gegen einen Zusammenschluß zu überwinden191. Neben Dorn kam in
diesem Zusammenhang James K. Pollock besondere Bedeutung zu. Pollock diente der
amerikanischen Führung als angesehener Verwaltungsfachmann. Pollock war offenbar ganz
und gar ein Mann Clays gewesen. Wie dieser tendierte er stark zu einer Verdrängung
Frankreichs aus dem besetzten Deutschland192. Pollock hatte offenbar auch maßgeblichen
Einfluß auf das auf amerikanischer Seite bestehende »Wuerttemberg-Baden Committee«, das
sich im Herbst 1945 mit den Problemen des neuen Landes Württemberg-Baden befassen sollte
und auch einen ausführlichen Bericht ablieferte193. Hintergrund dieser Aktivitäten war, wie die
interne amerikanische Korrespondenz belegt, daß Clay und seiner Umgebung die Verschmelzung
von Nordbaden und Nordwürttemberg nicht schnell genug vonstatten ging. Robert
Murphy sprach dies aus, als er meinte, die Einsetzung einer deutschen Regierung in Stuttgart
habe von den Amerikanern nur mit Verspätung durchgesetzt werden können, und er eine Reihe
von zu entschuldigenden Umständen anführte, die die Verzögerung erklärten sollten194. Dies
190 Walter L. Dorn, Inspektionsreisen in der US-Zone. Notizen, Denkschriften und Erinnerungen aus
dem Nachlaß übersetzt.und herausgegeben von Lutz Niethammer (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte
für Zeitgeschichte 26). Stuttgart 1973. S. 46f. und vor allem die Dokumente II.3.1 und 2.
191 Köhler (wie Anm. 188) S. 351.
192 Vgl. James K. Pollok and James H. Meisel (Eds.), Germany under Occupation. Illustrative
Materials and Documents. Ann Arbor 1947.
193 Das Kommitee wird erwähnt in: The United States Political Adviser, Murphy, to the Secretary of
State (September 22, 1945), in: FRUS 1945 III S. 965-967, 966: The Commitee appointed to study the
Problems of Land Württemberg-Baden has begun its work. Ferner in: The United States Political Adviser
for Germany, Murphy, to the Secretary of State (October 5,1945), in: FRUS 1945 III S. 973-975, S. 974: A
Special Committee, composed of representatives of the US Group Control Council, G-5 USFET, and
Headquarters, Seventh Army, have just made a study of the administrative and political problems arising out
of this division and the attempt to organize a single Land Government to administer the two American areas
in North Wuerttemberg an North Baden.
194 The United States Political Adviser for Germany, Murphy, to the Secretary of State (October 22,
1945), in: FRUS 1945 III S. 974 f.: The delay in selecting and installing a German Government for the Land
North Wuerttemberg-Baden was due to several complexities, arising from the endeavor to adjust local
peculiarities to general directives of Military Government. For several months temporary heads of Land
departments, first under the French, and since July 13 under American authorities, have been acting as
directors of several Land activities. These departments, now incorporated into the German Land
Government created by American Military Government, have extended their influences - with the
acquiesence of the French - into the French-controlled areas of South Wuerttemberg. This was the first
problem encountered. The second arosefrom the directive that North Baden and North Wuerttemberg are to
be administered as one Land. A start has now been made toward integrating North Baden into the territory
govemed from Stuttgart. This process is at its very beginning and little has thus far been done in terms of
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