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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1986/0044
Herbert Rädle

5 Die Promotion zum Magister in Wien ist sonst nur durch folgenden Eintrag in der Wittenberger Matrikel
vom 17. April 1522 belegt: Simon Griner Alpen. Magister Wiewen. = S. G. von der Alb, Magister in Wien.
Von fremder Hand ist hinzugesetzt Grineus. (Auskunft der Lutherhalle Wittenberg vom 17.7.1985).

6 Schon in der Wiener Matrikel des Jahres 1512 steht: Baccalaureus Simon Griner ex Feringen, peritus in
lingua latina, graeca et hebraica (sie). Zitiert nach R.Thommen: Geschichte der Universität Basel
(1532-1632). Basel 1889. S. 109, Anm.4.

7 Grynaeus beschäftigte sich viele Jahre lang mit der griechischen Philosophie. Er gab in den Jahren
1531-38 das Gesamtwerk sowohl Piatons als auch des Aristoteles, jeweils im griechischen Urtext und in
lateinischer Übersetzung, heraus (vgl. G. Th. Streuber: Grynaei Epistolae. Basel 1847. S. 57ff.).

8 Als die »wahre« Theologie ist hier die reformierte Lehre bezeichnet, der Grynaeus anhing. Er war in
Basel, wohin ihn Oekolampad unmittelbar nach Einführung der Reformation im Frühjahr 1529 als
Gräzisten berief, seit 1536 auch Professor für Neues Testament. Vgl. E.Staehelin, in: A.Staehelin:
Professoren der Universität Basel aus fünf Jahrhunderten. Basel 1960. S.32. Das lateinische Wort usus
(Erfahrung, Praxis) spielt auf die praktische Tätigkeit von Grynaeus als Reformator in Basel und Tübingen
an; dazu Teuteberg (wie Anm.4) S.29-32.

9 Grynaeus ist in Wien nachgewiesen für die Jahre 1511-20. (Vgl. S.Borzsak: War Simon Grynaeus
Kustos der Bibliotheca Corviniana? In: Acta classica Universitatis scientiarum Debreceniensis 1 [1965]
S.65). Daß er in Wien auch Vorlesungen hielt, ist aufgrund eines Briefes von Milichius an Grynaeus
(Streuber [wie Anm. 7] Nr. 15, S. 19) wahrscheinlich. Anders Thommen (wie Anm. 6) S. 109 unten. Hier
soll noch eine Bemerkung zum Aufenthalt von Grynaeus in Ungarn beigefügt werden. Wir vermissen in
unserem Text zwischen den Stationen Wien und Wittenberg einen Hinweis auf seinen Aufenthalt in Buda.
Dort soll er »Rektor einer höheren Lehranstalt« (Vgl. Staehelin, wie Anm.8) gewesen sein. Doch ist eine
Lehrtätigkeit in Buda durch keinen unmittelbaren und gleichzeitigen Beleg nachgewiesen, und Borzsak
(wie Anm. 9) S.69 hält es daher für »sehr fraglich«, ob Grynaeus »jemals in Buda tätig« war. Sicher sei
lediglich, daß er um 1521 die dortige Bibliotheca Corviniana aufgesucht und von dort auch Handschriften
mitgebracht habe (S. 72). Das Fehlen der Station Buda in unserem Text ist, wie mir scheint, ein weiteres
starkes Argument, das für die Ansicht von Borzsak spricht, die Bedeutung des angesehenen Basler
Reformators Grynaeus für Ungarn sei in der Literatur vielfach tendenziös übertrieben worden. Nach seiner
Ansicht haben die einheimischen evangelischen Autoren Grynaeus »zu einem fiktiven Urahn der
ungarländischen Reformation« machen wollen (S. 75).

10 In der Wittenberger Matrikel erscheint Grynaeus, wie schon erwähnt, am 17. April 1522 (nicht 1523,
wie meist zu lesen ist). Der Unterricht in Wittenberg dürfte jedoch nur von »privatem« Charakter gewesen
sein (vgl. E. Staehelin, zitiert bei Borzsak [wie Anm. 9] S. 70, Anm. 36: »Vielleicht handelt es sich dabei
nur um Unterricht, den Grynaeus privatim an junge Leute erteilte, die begierig waren, Griechisch und
Hebräisch zu lernen; solche privaten Kreise bildeten sich damals allenthalben um junge Gelehrte, die in die
neuerschlossenen Welten einführen konnten«).

In Heidelberg und Basel war Grynaeus bekanntlich ordentlicher Professor, und zwar in Heidelberg seit Juni
1524 Professor für Griechisch, seit 1526 - aus Geldnot - auch für Latein (vgl. Thommen [wie Anm. 6]
S. 110). Als er im Frühjahr 1529 einen Ruf nach Basel annahm, übernahm der Rat die Begleichung seiner
Heidelberger Schulden in Höhe von 50 Gulden. Die Tätigkeit in Basel unterbrach Grynaeus zweimal,
nämlich 1531 für drei Monate, um eine Studienreise nach England zu unternehmen, und 1534 für neun
Monate, um im Auftrag Herzog Ulrichs von Württemberg die Universität Tübingen zu reformieren. Im
Sommer 1535 nach Basel zurückgekehrt, bekleidete er dort 1537/38 das Dekanat der philosophischen
Fakultät und 1541 das Rektorat der Universität (Staehelin, wie Anm.8, S.32).

11 Ein Verzeichnis seiner zahlreichen Editionen und Übersetzungen aus dem Griechischen ins Lateinische
führt Streuber (wie Anm. 7) S. 56 ff. an. Es umfaßt - in der Reihenfolge der Erscheinungsjahre - folgende
Autoren: Livius (Gesamtausgabe, einschließlich der von Grynaeus 1527 neuentdeckten Bücher 41-45),
Chrysostomus, Aristoteles, Plutarch, Proklos, Piaton, Aristophanes, Euklid (Editio prineeps des griechischen
Texts), Claudius Ptolemaeus (gewidmet an König Heinrich VIII. von England), Justinus. Außerdem
gab Grynaeus ein anonym überliefertes antikes Sammelwerk über Landbau (Geoponika) und ein
ebensolches über Pferdeheilkunde (Hippiatrika) heraus. Besonders hohe Auflagen erzielte im 16. Jh. sein
geographisches Sammelwerk Novus Orbis (»Der neue Erdkreis«, mit Berücksichtigung neuentdeckter
Länder). Der berühmte Kosmograph Sebastian Münster - dessen Bildnis übrigens auf den heute in Umlauf
befindlichen 100-DM-Banknoten zu sehen ist - erwähnt seinen Kollegen Grynaeus, mit dem er 1529 von
Heidelberg nach Basel kam, auf der ersten Seite seiner Cosmographia (Faksimile-Druck bei Antiqua-
Verlag, Lindau 1984).

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