http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1986/0046
Herbert Rädle
12 Diese sentenzenhaft zusammenfassende Kennzeichnung unseres Humanisten ist ein nur leicht
variiertes Erasmus-Zitat. Erasmus hatte Grynaeus in der Praefatio zu ihrem gemeinschaftlich edierten
Livius von 1531 bezeichnet als vir provehendis liberalibus studiis natus, also als einen Mann, der förmlich
dazu geboren sei, die klassischen Studien zu fördern (Allen, wie Anm. 2, Nr. 2435).
13 Sein Tübinger Kollege Joachim Camerarius schrieb ihm folgendes griechische Grabepigramm in sechs
Distichen: »Den Diener der Musen und des Phöbus Apollo, den Simon Grynaeus birgt dieser Erdenstaub:
ihn, den Apoll vielfältige Künste und Wissenschaften gelehrt und zu dem er einst gesagt hatte: Nun trage
auch meinen Namen, damit jedermann wohl wisse, daß dir keiner gleichkommt in jeglicher Wissenschaft.
Er, der Götterarzt, versuchte vergeblich, ihn noch zu retten. Dennoch starb Grynaeus schön, insofern er
weder das Leben ersehnte, noch den Tod fürchtete. Er gab Christus seine gläubige Seele anheim und
entschlief in der lebenspendenden Hoffnung reinem Gewand« (griechischer Text in des Camerarius
Theophrastausgabe von 1541, am Ende der Praefatio).
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