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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1990/0021
Die dunklen Jahrhunderte

Niederhechingen = Solicinio als Mittelpunkt im System der Altwege im Albvorland

Cramer10 hat die Straßen in Alamannien das Danaergeschenk der vertriebenen Römer
genannt. Sie blieben die Heerstraßen für Einfälle nach Inneralamannien. Auch Valentinian und
sein Heer dürften ihnen bis Solicinio gefolgt sein.

Der zentrale Verkehrsknotenpunkt im westlichen Albvorland war bis in die frühe Neuzeit
die Starzelfurt bei Hechingen-Friedrichstraße48. Hier liefen Wege aus allen Himmelsrichtungen
zusammen. Ein Urweg kam vom oberen Neckar über den Kleinen Heuberg, über
Engstlatt und Steinhofen. Er war Teilstück einer wohl bereits vorrömischen Verbindung nach
Osten, die unter der Alb entlang lief. Von der Römerstraße Laiz/Donau nach Sulz/Neckar
zweigte im oberen Eyachtal eine römische Trasse ab und lief mit Ziel Rottenburg über
Steinhofen mit dem älteren Weg gemeinsam. Sie führte über die Sickinger Steige und durch
den Rammert nach Dettingen und von dort mit der Militärstraße Rottweil-Rottenburg weiter.
Von Sulz/Neckar kam ein Weg, der das Eyachtal unter Weildorf querte, über Rangendingen
die Starzel aufwärts. Weiter oben im Tal erstieg er die Albhochfläche über Schlatt und hieß auf
dem Heufeld in der Neuzeit »Ulmer Straße«. Am Butzenwasen zeugen Wegspuren von einer
Verbindung von der Starzelfurt in das obere Steinlachtal. Das untere Steinlachtal war über die
Sickinger Steige und Bodelshausen erreichbar. Alle diese Wege - mit unterschiedlicher
Bedeutung zu verschiedenen Zeiten - trafen sich beim abgegangenen Niederhechingen. Die
zentrale Verkehrsfunktion des Ortes zwischen Starzelfurt und Martinsberg erlosch, als es den
Zollerngrafen gelungen war, den Fernverkehr auf ihre Residenz Hechingen umzuleiten, d.h.
endgültig erst mit dem Bau der Schweizerstraße im 18. Jahrhundert.

An dem alten Verkehrsknoten, am Kreuzungspunkt von fünf Altwegen und nahe den
römischen Ruinen von Hechingen-Stein und auf Maurach, möchte ich das verschollene
Solicinio suchen. Der Platz liegt vom Plateau von Beuren weit genug entfernt, um der
Ammianschen Beschreibung zu entsprechen. Funde aus alamannischer Zeit sind zwar von hier
nicht bekannt, bei der Überbauung des Hanges »im Ezental« östlich über der Furt sollen aber
Reihengräber gefunden worden sein. Die Funde wurden leider nicht gemeldet. Daß der Platz
in fränkischer Zeit von Bedeutung war, zeigt das Patrozinium der abgegangenen Kirche, das
sich in »Martinsberg« und »Martinsquelle« erhalten hat.

Unterhalb von diesem Brunnen liegen die untere und die obere »Sulz«. Im Talgrund
entlang der einstigen Römerstraße wäre der für Feuchtgelände häufige Flurname nicht weiter
auffällig. Die Lage des »Sulzerösch«34 auf der trockenen Hochfläche nordwestlich vom
Martinsberg läßt aber daran zweifeln, daß der Name nur auf morastige Stellen hinweist. Ein
Zusammenhang mit Salz-Gewinnung wie bei Sulz/Neckar ist hier von der Geologie her
auszuschließen. Nicht ganz auszuschließen wäre - trotz der von Schönfeld20 vorgebrachten
Bedenken - daß der Name eine ferne Erinnerung an das einstige Solicino wachhält. Am Fuß
des Hohenzollerns stellt sich erneut die alte Frage, ob nicht dieser kontrovers diskutierte
Bergname irgend etwas mit dem spätantiken Ortsnamen gemeinsam hat. Diese Frage wird
wohl offen bleiben müssen.

Die Bewohner von Solicinio

Wer waren die Bewohner von Solicinio in der späten römischen Kaiserzeit und im frühen
Mittelalter nach Aussage der schriftlichen Uberlieferung?

Die schwäbische Herkunfts-Sage

Als einzige Schriftquelle außer den äußerst spärlichen Angaben römischer Autoren steht
uns als Tradition aus der Völkerwanderungszeit die »Origo gentis Swevorum« zur Verfügung,

48 E. Nägele, L. Egler: Zur Wüstenmühle und zur ältesten Straße Tübingen-Balingen. In: Blätter des
Schwäbischen Albvereins 10 (1898) Sp. 167ff.

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