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Flur- und andere Örtlichkeitsnamen als siedlungsgeschichtliche Quellen
5.1 Örtlichkeitsnamen innerhalb Etters (Dorfried)
1) die Alte Burg. - 1844: Alte Burg; 1724/27: 1 1/2 J A hinder der alten Burg, Inhaber:
Hans Georg Miller zu Warmtal; 1608/10 in der Beschreibung des Zwiefalter Forstes genannt
(R.Stauffenberg n. 187, S. 128 und n. 185, S. 126/127); 1568: 1 1/2JA hinder der Altenburg
zwischen Caspar Kerb bederseitz eckhern.
Die Alte Burg, auf einem Bergvorsprung nördlich von Langenenslingen gelegen, ist eine
mächtige vor- und frühgeschichtliche Ringwallanlage. Die spärlichen archäologischen Funde
erlauben eine Datierung der Anlage in die Hallstattzeit (8.-5. Jahrhundert v.Chr.).
2) Badstube. - 1724/27: Jakob Haberbosch zinst aus der Badstuben zu Langenenslingen
2fl; 1568: Hans Bader Inhaber der Badstube: Zins 4fl; 1539: die Badstube ist, außer 6lbhlr
Konstanzer Währung an die Herrschaft, frei eigen (R. Stauffenberg n.91, S. 76); um 1470: by
der badstuben; 1358: von der Batstuben zue Ensslingen(UB HKI, n. 605, S. 358).
Der Inhaber der Badstube, Jakob Haberbosch, bat anläßlich der Renovation um eine
weitere Zinsminderung, da sie in »Abnahme« sei, das heißt die Badstube wurde von den
Einwohnern kaum mehr besucht. Vgl. dazu Walter, Michael; Die mittelalterlichen Badstuben
mit besonderer Berücksichtigung Hohenzollerns. In: Hohenzollerische Jahreshefte 11 (1951)
S. 65-113, hier bes. S. 102-104.
3) der Berghof. - 1844/48: auf der Flurkarte und im Flurbuch ist noch kein Hofname
eingetragen; Flurstück Nr. 428a mit Haus Nr. 157 am Hungerberg besitzt Peter Saup.
4) das Brunnenhaus. - 1724/27: 3/4MmW ob dem Bronnenhaus,grenzt unten an das
Bächlin den Rauns, so vom Kreuth herab laufft.
Langenenslingen hatte zum Zweck einer guten und sauberen Wasserversorgung im Ried
eine Quelle gefaßt. Von dort führte eine Teuchelleitung ins Oberdorf. Diese Trinkwasserleitung
ist 1841 erneuert und ausgebaut worden (Knaupp, S. 53).
5) das Burgtor. - 1724/27: ein G ob dem Burgtor; 1568: ob dem Burckthor (vgl. dazu den
Namen Burgweg).
Um 1500 werden im Weistum des Gerichts und der Gemeinde Langenenslingen Tore
erwähnt, die als Marken des Etterfriedens dienen (StA Sig., Ho 170, C.e. Nr. 5). Der Name
Burgtor leitet sich von dem Oschweg ab, der zur Alten Burg führt. Langenenslingen besaß
früher drei Falltore, das untere Tor am Ortseingang aus Richtung Andelfingen, das obere oder
Burgtor am Ortsausgang Richtung Billafingen/Emerfeld und das Tor an der Holzgasse (1438:
Iljuchert zum tor an der holczgassen; HStA Stuttgart, H225, n. 170) Richtung Wilflingen.
Alle drei Tore dienten dazu, daß kein Vieh nachts unbemerkt und unbeaufsichtigt auf die
Felder lief und Flurschäden anrichtete. Das Dorf war zu diesem Zweck auch vom Etterzaun
und vom Graben umgeben (vgl. FN Grabenäcker, Graben).
6) die Ehaft(e). - 1724/27: das Schloß grenzt vomen (an) die Ehehaffte; 1568: Ungferli-
ch(en) uff 1/2 mansmadt wisen im Enßlinger Holtz glegenn, ist ain holtz wiß gemeiniglich(en)
an der Ehefftin gleg(en).
Die Ehaft ist der stets jedermann frei zugängliche Verkehrs- und Wegeraum im Ortsbereich
und in die Flur, wie aus einer Grenzanrainerangabe eines Ackers im Billafinger Flurort
Heugarten\7A% hervorgeht: undten auf die Ehehafftgassen (StA Sigm., Ho 170, C.b. 1,
f. 128v); das Langenenslinger Kaplaneihaus liegt 1724/27 unden im Dorff zwischen der
Ehehaffte oder gemeiner Straßen und Christian Dossenberger; vgl. dazu Baderl, S. 59ff.
7) der Espan an der Linde. - 1724/27: ein Hanfgarten bei der Oberen Mühle grenzt
binden auf den Espan an die Linden; 1568: uf den aespan an der linden.
Der Espan ist ein Stück Allmende mit besonderen rechtlichen und wirtschaftlichen
Merkmalen. Er liegt in der Regel in Dorfnähe, trägt Graswuchs und wird als Weide benützt.
Von dem Espan bei der Linde sind zu unterscheiden der Jäczen espan, der 1438 erwähnt wird,
und der Ror aespan (um 1470 bezeugt).
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