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Flur- und andere Örtlichkeitsnamen als siedlungsgeschichtliche Quellen
opponierten, wie man an der langen Zeit des Bewilligungsverfahrens (Antrag 1714 gestellt)
ablesen kann; um 1470: / iuchart lit by der alte(n) schmitte(n) stost an auberlin arczatz hus.
32) das Siechenhaus. - 1356: Graf Eberhard von Landau verkauft dem Kloster
Heiligkreuztal einen Acker zu Langenenslingen um 7 lb hlr under dem Siechbus ze Enslingen
ob dem wiger; 1364: von dem akker, den diu Kempfin buwet under dem siechenhus (UB HKI,
n. 665, S. 412/13); um 1470: an rüdlinger weg hinab gen dem siechen hus; 1724/27: 1J A im Ö
Kirchsteig bei den Siechenäckern (liegt demnach außerhalb Erters).
33) Spitalscheuer. - 1568: Galle Sauters gipt usser seinem gertlin haißt daß Weissenn
gertlin hinder deß Spitals scheur glegen stost hinab uf den weg beim Bach und ligt den langen
weg an der gaßen.
Die Erwähnung einer Spitalscheuer 1568 verweist auf die Grundherrschaft des Spitals zu
Scheer in Langenenslingen. Im Urbar von 1568 wird das Heilig-Geist-Spital zu Scheer
wiederholt als Anrainer genannt. Außerdem besaß das Spital umfangreiche Zehntrechte in
Langenenslingen. Diese Rechte sind nach 1600 größtenteils an den Heiligen zu Ennetach
gekommen (vgl. Senn, Ernst: Inventar der hohenzollerischen Bestände der Fürstlich Thurn-
und Taxis'schen Archive in Regensburg und Obermarchtal Sigmaringen. 1940. n. 1047).
34) die Taf er. - 1724/27 und 1568: das Erste Herrschaftslehen besitzt als Recht auf dem
Haus lastend die Taferngerechtigkeit. Lehenträger ist damals Johann Dossenberger, der
Schultheiß der Gemeinde. In den Besitz des Hauses teilen sich Abraham Stöckle, Sebastian
Doßenberger und Caspar Bitler, die aber im Register des Lagerbuches nicht als Wirte erwähnt
sind. Statt dessen werden als Wirte genannt: Joseph Haberbosch, Johannes Haberboschen
Wirts Erben und Johannes Speth. Diese drei geben wohl das Umgeld, die Wein- und
Biersteuer, an die Herrschaft Sigmaringen, von jedem Eimer zwei Maß (d.i. gerechnet in
Riedlinger Maß rund 2,421 von 38,751 oder rund 6% Bier- beziehungsweise Weintaxe). Da
die Steuer aber in Geld zu zahlen war, gab man hierfür das entsprechende Äquivalent.
35) das Unterdorf. - 1844: Unterdorf; 1724/27: das Kaplaneihaus steht unden im Dorff
zwischen der Ehehäffte oder gemeiner Straßen und Christian Dossenberger.
36) die Untere Mühle. - 1844: Die Untere Mühle; 1724/27: die Untere Mühle, die
Matthes Haberbosch besitzt, gibt 2 fl Mühlenzins an die Herrschaft Sigmaringen; diese Mühle
besaß neben dem Mahl- und Sägewerk auch einen Walkgang zum Herstellen von wollenen
verfilzten Stoffen (grobes Lodentuch); 1568: Inhaber der Unteren Mühle: Hellas Miller
genannt Weber; 1366: nach dem Zins beurteilt dürfte die Untere Mühle mit der Bentzen muli
identisch sein.
5.2 Gewässer
Ein Blick auf die Topographische Karte 1:25000 (Blatt 7822 - Riedlingen) vermittelt den
Eindruck, Langenenslingen sei eine wasserarme Gegend. In einer Markungsbeschreibung des
Jahres 1829, die die Anlage des Grundsteuer-Katasters vorbereitet, werden drei Fließgewässer
genannt, nämlich Holzbach, Biberbach und Langwatte. Biberbach und Langwatte entspringen
auf der Gemarkung, der Holzbach kommt von Süden aus Richtung Wülfingen. Überschwemmungen
träten nur bei Wolkenbrüchen auf (StA Sig., Ho235 II, K Nr. 83). Daß Langenenslingen
am Südfuß der Alb eine vergleichsweise wasserreiche Gegend ist, belegen nicht nur die
vier Mühlen, die es einst gab, sondern auch die in den Katastern und Lagerbüchern überlieferten
vielen Brunnen und Bäche. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Schichtquellen und
Karstwasseraustritte am Fuß des aus obermiozänen Kalken und Mergeln aufgebauten Höhenzuges
des Roßlet-Andelfinger Berges. Als Karstquellen freilich unterliegen die Schüttungen
dem Niederschlagsregime unmittelbar, das heißt sie sind großen Schwankungen ausgesetzt.
Die an der Oberen Mühle entspringende Biberquelle liefert so im langjährigen Mittel zwischen
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