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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1990/0218
Jürgen Richter

50000 fl zu bezahlen. Den Gesamtwert des Erbes bezifferte er, in Anlehnung an die Ergebnisse
des obengenannten Auslösungsentwurfs, mit 405 000 fl. Diese Zahl wird im weiteren
Verlauf noch einmal interessant werden. Das Ablösungsprojekt von 1765 jedenfalls scheiterte
an den Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Abfindung. Danach scheinen solche
Überlegungen auch nicht mehr aufgekommen zu sein. Es blieb bei der wohl für alle Beteiligten
auf Dauer unbefriedigenden Kondominatsherrschaft.

Der dritte und vielleicht der Hauptgrund für den Verkauf waren die Ansprüche der
preußischen Seitenlinie Waldburg Capustigal. Wir hatten im allgemeingeschichtlichen Teil
bereits gesagt, daß die Erbengemeinschaft sich 1776 und 1781 mit Abstandszahlungen von
insgesamt 105000 fl einverstanden erklärte286. Das Geld aber mußte durch erneute Anleihen
auf die Graf- und Herrschaften besorgt werden287. Das machte alle Erfolge vorangegangener
Sanierungsbemühungen zunichte. Damit dürfte das Interesse der Familie an der Erhaltung des
Territoriums in den eigenen Händen noch weiter gesunken sein. Verstärkend kam hinzu, daß
die Trauchburger Linie nach dem Tod von Fürstbischof Franz Karl Eusebius (6. Juli 1772)
endgültig erloschen war. Somit lebte kein direkter Nachkomme mehr, für den die Übernahme
des Erbes unmittelbar von persönlicher oder existenzieller Bedeutung gewesen wäre.

Der vierte und letzte Grund, der wohl den entscheidenen Anstoß für die Veräußerung
gegeben hat, war zweifellos der hohe Verkaufspreis288. Mit 2100000fl betrug er mehr als das
Fünffache dessen, was Graf Franz Ernst von Wurzach zwanzig Jahre zuvor als Gesamtwert
der Donaubesitzungen angesehen hatte. Selbst wenn man davon ausgeht, daß er hier aus
eigennützigen Motiven möglicherweise einen relativ geringen Betrag angesetzt haben mag,
rechtfertigt dies doch nicht die eklatante Differenz zur Kaufsumme. Auch eine mögliche
Wertsteigerung zwischen 1765 und 1785 könnte solche Unterschiede nicht erklären.

Die Ürsache, warum Fürst Karl Anselm von Thum und Taxis bereit war, so viel Geld für
die Erwerbung des Territoriums auszugeben, lag denn auch woanders. Mit dem Kauf löste er
ein Versprechen ein, das bereits Fürst Alexander Ferdinand 1754 gegeben hatte, um die
Aufnahme in den Reichsfürstenrat zu erlangen. Er erwarb sich einen fürstenmäßigen Besitz
zur Fundierung seines Stimmrechts289. Dies war auch der Grund für die Erhebung Friedberg-
Scheers und Dürmentingens zur reichsunmittelbaren, reichsgefürsteten Grafschaft Friedberg-
Scheer durch Kaiser Joseph II. am 16. Juli 178 7 290. Somit hatte Fürst Karl Anselm ein Gebiet
erkauft, das ihm eine echte reichsfürstliche Stellung verschaffte.

Damit stellte dieser Vorgang in mancher Hinsicht eine bemerkenswerte Parallele zum
Verkauf der Herrschaften Schellenberg und Vaduz durch die Grafen von Hohenems an den
Fürsten Hans Adam von Liechtenstein dar (1699/1712)291. Für die Liechtensteiner war so die
territoriale Grundlage geschaffen, um Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat und auf der
Fürstenbank des Schwäbischen Kreises zu erringen.

Auch in der Vorgeschichte ähnelt das Schicksal der Grafen von Hohenems dem der
Scheerer Truchsessen. Bei beiden hatte der Dreißigjährige Krieg einen erheblichen Anstieg der
normalerweise wohl zu bewältigenden Verschuldung gebracht. Ebenso folgte in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Regierungskrise. Den Exzessen von Maximilian Wunibald
standen als Pendant die des Grafen Ferdinand Karl (1662-1686) fast zeitgleich gegenüber. Ab
1682 war eine Debitkommission zur Sanierung der hohenemsischen Finanzen eingesetzt, die -

286 Vgl. Kapitel 2.1. dieser Arbeit, hier S. 175.

287 Die Kreditaufnahmen sind in den Rentamtsrechnungen von 1776/77 und 1781/82 nachgewiesen.
Rep.I, F. 2, Nr. 276, 289.

288 WieAnm.286.

289 Zur Rolle des Kaufs von Friedberg-Scheer im Hinblick auf die reichsfürstliche Stellung der Thum
und Taxis, s.: Piendl: S. 73 ff.

290 U1103.

291 Zu diesem Abschnitt der Geschichte der Grafen von Hohenems und dem Verkauf der Herrschaften
Schellenberg und Vaduz ausführlich: Press: Die Entstehung des Fürstentums Liechtenstein.

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