http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1990/0237
Besprechungen
bestimmte Einzelangabe nachprüfen möchte, ist auf Auskünfte der Bearbeiter angewiesen, da er sonst eine
große Anzahl von Archivalien auf Verdacht durchsehen müßte.
Verschärft stellt sich das Problem bei wichtigen neuen, allgemein interessierenden Forschungsergebnissen
etwa zu den Maßregionen (S. 154-157), deren Belege, wie zutreffend bemerkt wird, »zerstreut in
Urkunden, vor allem aber in Lagerbüchern« (S. 154) zu finden sind. Wer die Ergebnisse nachvollziehen
will, müßte die mühseligen Einzelrecherchen wiederholen - mit zweifelhafter Chance, alle Belege in
angemessener Frist aufzuspüren. Solche Resultate sollten auf jeden Fall eine separate wissenschaftliche
Darstellung mit Belegen erfahren.
Der summarische Quellennachweis erscheint mir nicht hinreichend transparent im Hinblick auf die
wichtigsten Quellen, die Urbare. Sie werden zwar oft im Text erwähnt, aber unter welcher der zahlreichen
Archivsignaturen sie sich verstecken, muß der Benutzer des Bandes entweder wissen oder raten. Leider
fehlt eine so nützliche Zusammenstellung zur Quellenkunde, wie sie Viktor Ernst in der Oberamtsbeschreibung
Riedlingen, S. 275-279, gegeben hat. Zugang zur Eigenart archivalischer Überlieferung
vermittelt der Band in seinem allgemeinen Teil nicht (nicht erwähnenswert sind die beiden Sätze zu den
Archiven im Kreis: Bd. 1, S.355, gut dagegen die Angaben zu den Biberacher Archiven: ebd., S.697),
obwohl Ausführungen zur Archivgeschichte und zur Quellenkunde einsichtig machen könnten, weshalb
sich über manche Aspekte der Geschichte relativ viel sagen läßt und über andere, an denen die
Allgemeinheit oft mehr interessiert wäre, so wenig.
Da vor allem doch die Wissenschaft von den Bänden den meisten Nutzen hat, wäre es wünschenswert,
der wissenschaftlichen Öffentlichkeit die Nachweise zur Verfügung zu stellen. Dies braucht nicht unbedingt
durch den Druck von Anmerkungen o.ä. geschehen. Andererseits genügt auch nicht der Hinweis auf die
Sammlungen der Landesbeschreibung (die nach einigen Jahrzehnten als Archivgut einsehbar sein werden)
und auf die vorhandene Bereitschaft zu Einzelauskünften. Sinnvoll wäre, wenn eine Fassung mit genauen
Einzelnachweisen durch Einstellung in ausgewählte Archive und Bibliotheken »veröffentlicht« würde. Der
geringe Mehraufwand für die Bearbeiter, bei der Sichtung der Karteikarten für die Ortsbeschreibung jeweils
die Fundstelle dem Manuskript beizufügen, würde wohl kaum zu einer nennenswerten Verzögerung des
bislang ohnehin eher im Schneckentempo fortschreitenden Unternehmens führen.
Die vorstehenden Zeilen sollten keinen Angriff auf die Tätigkeit der Landesbeschreibung darstellen.
Sie verstehen sich als Diskussionsvorschläge und als konstruktive Kritik an einem Unternehmen, dessen
unschätzbaren Wert für Landeskunde und Landesgeschichte niemand leugnen sollte.
Speyer Klaus Graf
Vorderösterreich in der frühen Neuzeit. Hg. von Hans Maier und Volker Press unter Mitarbeit von Dieter
Stievermann. Sigmaringen: Thorbecke 1989. VIII, 451S., 3 Abb.
Vorderösterreich, das die habsburgischen Besitzungen zwischen dem Lech und dem Elsaß umfaßte,
gibt es nicht mehr. In napoleonischer Zeit aus der politischen Landkarte eliminiert, sind die »Vorlande«
heute - und dies selbst im Breisgau und in Oberschwaben - weitgehend aus dem allgemeinen historischen
Bewußtsein verschwunden. Vorderösterreich - einst ein Konglomerat von Territorien im Südwesten des
Reiches, heute ein Gegenstand des Interesses für wenige Spezialisten. So richtet sich denn auch die
vorliegende Veröffentlichung in erster Linie an den Fachhistoriker. Sie basiert auf einer wissenschaftlichen
Arbeitstagung, die 1981 auf Schloß Reisensburg bei Günzburg stattfand. Nicht alle (vgl. S. VII), aber wohl
doch die meisten (?) der seinerzeit gehaltenen Referate werden hier im Druck vorgelegt; zusätzlich wurde
»eine ganze Reihe« weiterer Beiträge in den Sammelband aufgenommen, die auf der Tagung nicht
vorgetragen worden waren. Beabsichtigt ist mit der Publikation, »einen weiterführenden Querschnitt der
frühneuzeitlichen Geschichte Vorderösterreichs dem interessierten Publikum bieten zu können, ohne daß
Vollständigkeit angestrebt wird« (S. VII). In gewisser Weise ersetzt somit das Buch die 1959 von Friedrich
Metz herausgegebene Synthese »Vorderösterreich. Eine geschichtliche Landeskunde«, die 1967 (nicht
1976, wie S. VII angegeben) erschienen ist. Wie die Herausgeber im Vorwon zu Recht betonen, hat sich in
der Geschichtswissenschaft seitdem viel bewegt, wurden neue Fragen gestellt, neue Methoden entwickelt,
neue Akzente gesetzt - und dies nicht nur in der allgemeinen Geschichte, sondern auch auf Vorderösterreich
bezogen. Zu Recht wird auch in diesem Zusammenhang der Name von Franz Quarthai genannt, der
seltsamerweise zum vorliegenden Buch keinen Artikel beigesteuert hat. Letzteres vereinigt - ohne jede
weitere Gliederung - insgesamt 21 Beiträge, die alle von hoher wissenschaftlicher Qualität sind und ein
facettenreiches Bild des Gegenstandes vermitteln. Zunächst folgen im bunten Wechsel aufeinander
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