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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1990/0249
Besprechungen

Motorrädern und Nähmaschinen, bevor er eine Mechanikerwerkstätte eröffnete. Von seinen Aufnahmen,
in denen dörfliche Szenen in der »Göge« festgehalten sind, wurden 149 für den Abdruck im vorliegenden
Buch ausgewählt. Ihnen beigegeben sind Erinnerungen von befragten Zeitzeugen (darunter Frankel selbst),
die ohne Namensnennung und nur mit wenigen ein- und überleitenden Worten der Herausgeber ediert
sind.

Walther Paape beschreibt in der Einführung die Konzeption des »Lese- und Bilder-Buches« (S. 8) wie
folgt (S. 11): »Das Bildmaterial bestimmte im wesentlichen den Aufbau dieses Bandes. Beim Versuch, die
ausgewählten Fotografien zu ordnen, ergaben sich Themenkreise, die jeweils mit einem Textteil eine Einheit
bilden sollen. Diese Texte sind keine Beschreibung der Bilder, vielmehr sollen sich Fotografien und Texte zu
einem Gesamteindruck verdichten. Aussagen unserer Gesprächspartner, die uns für das Verständnis der
beschriebenen Zeit wichtig erschienen, obwohl zu ihnen wenig oder kein Bildmaterial vorlag, sind in den
Text mit aufgenommen. Widersprüche, die sich aus der unterschiedlichen Sichtweise unserer Gesprächspartner
ergaben, bleiben unkommentiert.« Die Umsetzung dieser Intentionen ist vortrefflich gelungen.
Denn die Fotografien und die aufgezeichneten Interviews ergeben zusammen eine Dokumentation von
außerordentlicher - emotional berührender - Dichte. Unter Kapitelüberschriften wie »Zur Erstkommunion
bekam man höchstens ein Kreuzchen« werden Fest- und Alltage auf dem Dorf zwischen 1917 und 1937
wieder lebendig, kann man den Wandel, der sich auf dem Land gerade damals vollzog (»Es hat sich dann
vieles geändert«) nachvollziehen, aber auch das Aufkommen des Nationalsozialismus (»Am Anfang war
man vom Hitler begeistert«) beobachten. Der Dokumentationswert von Text und Bild für die Sozial-,
Wirtschafts- und Alltagsgeschichte über den Bereich der »Göge« hinaus hat dadurch eine besondere
Akzentuierung erfahren, daß die sich Erinnernden anonym bleiben und auf Bildunterschriften verzichtet
wurde (einige wenige Erläuterungen zu einzelnen Fotografien finden sich am Ende des Buches).
Vorangestellt ist den Bildern und Texten eine Einführung von Walther Paape, der sehr kenntnisreich und
einfühlsam den »Nachlaß« Frankels fotografiegeschichtlich einordnet und bewertet: »Im Vordergrund
seines (Euvre stehen Bilder von Menschen: von Einzelnen, Personengruppen, Familien. Diese Menschen
fotografierte er nüchtern und ehrlich, unter Verzicht auf modische Accessoires - und vertrat, vermutlich
unbewußt, genau die Linie der großen Fotografen seiner Zeit. ... In der Ehrlichkeit, aber auch in der
Zurückhaltung Hugo Frankels liegt neben der exakten Verarbeitung der tiefere Grund, warum wir auch
heute noch einen spontanen Zugang zu seinen Bildern finden. ... Wir haben von fast 1800 Fotoplatten
Abzüge hergestellt - kein einziges Bild läßt den Schluß zu, daß sich Hugo Fränkel bewußt damit beschäftigt
hätte, mit seiner Kamera Kunst zu schaffen. Und doch finden wir künstlerische Arrangements, die seine
geschmackliche Sicherheit und künstlerische Begabung zeigen ...« (S. 11).

Die Publikation der von Paape treffend charakterisierten Fotografien liegt in einem Trend der letzten 10
bis 15 Jahre, in denen - auf neuartige, »kritische« - Weise das, was »Heimat« genannt wird, wiederentdeckt
wurde (man denke nur an Edgar Reitz' Film »Heimat« oder an Bestseller wie »Herbstmilch«), und in denen
man sich auch in Deutschland der Geschichte des Alltags annahm. Aus der kaum noch überschaubaren Flut
der Veröffentlichungen, die in diesen Kontext gehören, ragt das hier besprochene Buch durch Qualität und
besondere Authentizität hervor.

Stellt sich dem rezensierenden Archivar nur noch die Frage, ob bereits darüber nachgedacht wurde, in
welcher Institution die Glasplatten Frankels auf Dauer als historische Quellen von bleibendem Wert für die
Nachwelt erhalten und allgemein benutzbar gemacht werden können. Die naheliegendste Lösung dürfte
auch hier die beste sein.

Ludwigsburg Robert Kretzschmar

Schwäbische Versuacherla. Hergeriecht ond serviert von Fredl Niklas. Hg. zum 70. Geburtstag des Autors
von der Hohenzollerischen Landesbank - Kreissparkasse Sigmaringen. Mit Unterstützung der
Württembergischen Gebäude-Brandversicherung Stuttgart, Außenstelle Hohenzollern. Sigmaringen
1990. 60 S. mit 5 Holzschnitten und 2 Fotos.

Kostproben seiner Mundandichtungen hat Alfred Niklas, von 1953 bis 1989 Gemeinderat, 24 Jahre lang
stellvertretender Bürgermeister und seit Anfang 1990 auch Ehrenbürger seiner Vaterstadt Sigmaringen,
bisher nur in vereinzelten Lesungen auf Vereinsveranstaltungen und anderen Zusammenkünften geboten.
Der Hohenzollerischen Landesbank gebührt mit der Herausgabe vorliegenden Bandes zum 70. Geburtstag
des verdienten Kommunalpolitikers und Raumausstattermeisters am 20. Dezember 1990 der Verdienst,
dessen dichterisches Schaffen nunmehr auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu haben.

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