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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0041
Erwerb der Reichsunmittelbarkeit durch Beuron

Die weitläufige Geschichte über den Quellenfund ähnelt den Erzählungen auf den bisher
untersuchten Stücken. Inhaltlich gibt es wiederum beträchtliche Unstimmigkeiten. Die Texte
von 1451/52 widersprechen vollständig der verfassungsrechtlichen Stellung des Stifts Beuron
zwischen 1450 und 1500. Die Enzberger waren damals unbestritten die Kastenvögte des Stifts
und Beuron als landsässiges Stift Bestandteil der Herrschaft Mühlheim. Auffällig ist wiederum,
daß diese beiden Texte im Archiv des Stifts nicht vorhanden waren.

Eine Durchsicht des Gründlichen Berichts... von 1722 zeigt darüber hinaus, daß hier
zahlreiche andere Texte eingestreut waren, die Pizenberger gefälscht hatte. Damit fällt auch auf
den Obervogt Gramm ein Verdacht, an den Arbeiten Pizenbergers beteiligt gewesen zu sein.
Daher gilt es, die Beziehungen zwischen beiden zu untersuchen.

Die Grafen Schenk von Castell verhandelten 1759/60 mit der Abtei Beuron über ein
Darlehen von 7500 fl und erhielten es schließlich66. Die Grafen konnten das Geld nicht
fristgerecht tilgen, so daß die Rückzahlung im Rahmen einer vom Kaiser eingesetzten Schuldenkommission
ausgehandelt wurde. Uber die normalen nachbarschaftlichen Beziehungen hinaus
gab es also eine finanzielle Abhängigkeit. Zwischen dem Obervogt Gramm und dem Kanzleidirektor
Pizenberger d. A. gab es daher zahlreiche Kontakte und schließlich eine enge Zusammenarbeit
. Diese ging schließlich so weit, daß Gramm wissentÜch unrechtmäßiges Handeln des
Beuroner Kanzleiverwalters deckte. Als Gramm 1762 für die österreichische Regierung in
Freiburg einen Bericht über die Hoheitsrechte der Abtei Beuron anfertigen sollte, da diese sich
plötzlich als auf Reichsboden gelegen, eximiert und mit Landeshoheit begabt ausgaben, gab er
die Unterlagen an Pizenberger und bat ihn, den Bericht doch selbst anzufertigen67. Den von
Pizenberger verfaßten Bericht versah mit Datum und Gutenstein als Ausstellungsort und
schickte ihn als den seinen nach Freiburg68. Gramm wußte also um die Pläne Pizenbergers und
des Abts Rudolf von Beuron, die Rechtsstellung Beurens ändern zu wollen. Durch den
Freiburger Auftrag kam er in eine schwierige Stellung. Als österreichischer Beamter hätte er die
Machenschaften Pizenbergers aufdecken müssen. Demgegenüber mache er sich zum Komplizen
und vidimierte sogar von Pizenberger angefertigte Texte.

Zeitgenossen, die Einblick hatten, konnten sich diese Zusammenarbeit nicht vorstellen. Der
Beuroner Konventuale und spätere Professor in Freiburg, Fidel Wegscheider, deutet den
Vorgang in der Weise, daß Pizenberger die Texte verfaßte, bei einem Besuch in Gutenstein den
Obervogt durch einen Begleiter ablenken ließ und in dieser Zeit das Archiv durchstöberte und
dabei die Texte im Archivgut verteilte69. Wegscheider konnte sich nicht vorstellen, daß ein
Obervogt die ungesetzlichen Handlungen Pizenbergers unterstützen könnte.

Pizenberger gelang es auf diese Weise, von einer anderen Kanzlei rechtsgültig vidimierte
Texte zu erhalten. Seine Zeitgenossen konnte er damit nicht täuschen, sie bezeichneten die
Urkunden von 1253, 1451 und 1452 als Fälschung70.

Der Dokumentirter grundlicher Bericht vom Ursprung, Fundation und Schicksalen...
Beurons, angeblich 1722 von dem Gutensteiner Oberamtmann Cronacher mit Hilfe von

1759 verändert. Zu erinnern ist, daß Anfang 1771 die Texte für die Commentatio zusammengestellt
wurden.

66 StA Sigmaringen, Dep.39, FAS, DS26 Beuron 143/66.

67 StA Sigmaringen, Ho 156 Beuron Bd. 59 S. 105-130 (Abschriften), in Ho 156 Bü94 die Schreiben.
Nr. 7 und 8: Gramms Konzept im Umfang von 3S. wurde in Beuron zurückbehalten und durch ein
Schreiben mit 17S. ersetzt. Vgl. Bd. 59 S. 109, 116: Gramm an Pizenberger Zur Erfüllung meines getanen
Versprechens habe hiermit nit nur das Concept Berichts schreiben nacher Stockach... zu Einsicht..., mit
dem Anfang, daß in dem Concept nach belieben ein so anders abgeändert, darvon oder darzu gethan,
womithin nach der Intention eingerichtet werden kan...

68 Bd. 59 S. 120-130, Abschriften.

69 Bericht des Fiskalamts Freiburg vom 9.9.1784, StA Sigmaringen, Dep. 39, FAS, DS26 Beuron 64/2.
Wegscheider berichtet über Ereignisse der Jahre 1762/63.

70 Dazu unten S. 64 f.

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