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Wilfried Schöntag

Ansprüche zu erheben, darüber zu verhandeln und für Beuron das eine oder andere dabei
herauszuholen. Der Freiburger Rat v. Schach sah in seinem Gutachten von 1784 in diesen
Auseinandersetzungen einen wesentlichen Grund für die Entstehung der Pitzenberger Fälschungen
.

3.2 Die Fälschungsaktion des Kanzleidirektors Pizenberger

Mit Billigung des Abtes und mit der Unterstützung des Kanzleischreibers Frech, des
Klostergärtners Markus Schmid, des Chorherren Andreas Reiser und für die Malarbeiten des
Franz F. Dent ging Pizenberger d. Ä. daran, die oben beschriebenen Texte anzufertigen und in
den jeweiligen Akten und Bänden nachzutragen oder die angeblichen Originale herzustellen.

Die für die Anfertigung der Texte aufgewendete Energie war beträchtlich. Da 1747 ein
Archivrepertorium, 1749 ein Kopialbuch und nochmals 1761 ein weiteres Kopialbuch über die
Beuroner Urkunden angelegt worden waren123, war es schwierig, neue Urkunden in die
Beuroner Überlieferung einzuführen. Daher nutzte Pizenberger die Beziehungen zu dem
Gutensteiner Obervogt Gramm aus. Nachdem alle Texte vorlagen, machte der Kanzleiverwalter
dem Abt den Vorschlag, den Tübinger Juristen Prof. Gottfried Daniel Hoffmann zu bitten,
auf der Grundlage der neuen Texte eine Dissertation anzufertigen, die sein Sohn Franz Anton
Pizenberger, der damals in Tübingen studierte, verteidigen könne. Diese Arbeit sollte dem
Abt gewidmet werden. Nachdem der Abt wie Prof. Hoffmann zugestimmt hatten, schickte
Pizenberger ein Heft mit den echten wie erfundenen Texten nach Tübingen, und Prof.
Hoffmann wies daraufhin die karolingische Gründung Beurons und die Reichsunmittelbarkeit
nach. Hoffmann hatte keinerlei Zweifel, allein anhand der Abschriften die Reichsfreiheit
nachzuweisen, mit Argumenten zu stützen und mit wissenschaftlichem Anspruch zu legitimieren124
. Erst später reiste Hoffmann nach Beuron, um sich die Archivalien anzusehen.
Damals lag der Text der Commentatio schon gedruckt vor.

Abt Rudolf und Pizenberger waren ein großes Risiko eingegangen. Gab es doch genügend
Quellen in den Archiven der benachbarten Herrschaften, die belegten, daß Beuron ein
landsässiges Stift war. Sie gingen jedoch davon aus, daß niemand die Autorität von Prof.
Hoffmann in Zweifel ziehen würde und daß bei keiner der österreichischen Behörden ein
Kenner der Diplomatik arbeite, der sich mit Hoffmann messen könnte. Wie sicher sich die
Beuroner fühlten, belegt, daß sie sogleich den Maler beauftragten, die beiden Gründungsgeschichten
und die Stifter und Vögte zu malen.

Für diese Arbeiten hatte Pizenberger eine wahrscheinlich über längere Zeit zusammenarbeitende
Gruppe zusammengestellt. Pizenberger war in Straubing geboren worden, hatte
weltliches und kirchliches Recht und Moraltheologie studiert und war zunächst Priester125. Er
verließ dann den Kirchendienst, heiratete und trat in den Verwaltungsdienst ein. Bis Ende des
Jahres 1757 war er Kanzleidirektor in Dürmentingen126 in der Grafschaft Friedberg-Scheer.
Dort wurde auch sein Sohn Franz Anton am 23. Dez. 1749 geboren. Anfang des Jahres 1758
kam er als Kanzleidirektor nach Beuron.

Als Schreiber zog Pizenberger den Kanzleischreiber Jakob Frech hinzu. P. Fidel Wegschei-
der charakterisiert diesen in seinen Aussagen gegenüber der Regierung und Kammer in

123 StA Sigmaringen, Dep.39, FAS, DS26 Beuron 5/7a, 5/7b, 5/11-5/12; vgl. Herberhold (wie
Anm.28) S.81.

124 Commentatio S. 72 Kap. 31: Cum vero praecipua instituti mei ratio sit, Buronii libertatem et
immedietatem imperialem explicare, legitimis argumentis adserere atque e rostris academicis pro viribus
tuen...; vgl. auch S. 73.

125 StA Sigmaringen, Ho 156 Beuron Bd. 182 fol. 446 zum 6. Nov. 1746.

126 Ebenda fol. 370b. Seine Handschrift hat sich seit den 50er Jahren kaum verändert. Zum Lebenslauf
Herberhold (wie Anm.28) S.97, dort auch Hinweise auf den Sohn Franz Anton; Quarthal (wie
Anm. 133) Nr. 3892, 3895, 3903.

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