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Johann Georg Weckenmann
bestanden oft eingeschworene Arbeitsgemeinschaften82. Sicher hat ein Mitglied einer solchen
Arbeitsgemeinschaft häufig versucht, seinen Kompagnon an den Auftraggeber zu vermitteln;
schriftliche Belege dafür gibt es indessen kaum83.
Bei der Mehrzahl der bekannten Beispiele derartiger Arbeitsgemeinschaften handelt es sich
allerdings um Altarschreiner und Bildhauer, also um Künstler zweier verschiedener Berufszweige
. Zwischen einem Bildhauer und einem Stukkator konnte es schon eher zu Kompetenzstreitigkeiten
und Konkurrenzdenken kommen. Theoretisch gehörten die Bildhauer und
Stukkatoren zwar verschiedenen Berufen an; in der Augsburger Zunftordnung beispielsweise
sind die Stukkatoren den Maurern zugeteilt84. Gerade die wiederholt ausgesprochenen
Verbote belegen aber, wie häufig die Bildhauer gegen die Zunftregeln verstießen und auch in
Stuck arbeiteten. So wurde zum Beispiel Johann Joseph Christian wegen eines Tabernakels aus
Stuckmarmor, das er 1773 für die Riedlinger Stadtpfarrkirche fertigte, in einen Rechtsstreit
verwickelt. Laut der Riedlinger Zunftgesetze durfte er als Bildhauer nicht in Stuck arbeiten.
Christian dagegen vertrat die Meinung, daß Stukkaturarbeit keine Profession, sondern eine
freie Kunst sei und damit nicht unter die Zunftgesetze falle85 - eine Argumentation, die
beiläufig auch das sich langsam wandelnde Selbstverständnis der Künstler »auf dem flachen
Land« belegt.
Andererseits läßt sich unter den Bildhauern eine Tendenz zur Spezialisierung auf einen
einzigen Werkstoff ausmachen. Prominentester Vertreter dieser Spezialisten ist vielleicht
Ignaz Günther, der immer in Holz arbeitete und an einer Steinskulptur scheiterte86. Die
kleineren Werkstätten in der Provinz wie die Johann Georg Weckenmanns konnten sich eine
Spezialisierung auf einen Werkstoff jedoch gewiß nicht leisten.
Soweit es sich heute noch beurteilen läßt, scheint Weckenmann Stein als Werkstoff
bevorzugt zu haben. Vielleicht erhielt er aber auch einfach mehr Aufträge für Steinarbeiten -
bedauerlicherweise, denn gerade sie sind heute zu großen Teilen verloren. In Stuck hat
Weckenmann, im Gegensatz zu seinem Vorbild Johann Joseph Christian, offenbar nicht
gearbeitet. Auch seine Architekturplastik für das Haigerlocher Haagschloß in den 1760er
Jahren - Vasen, Kapitelle, Fensterlaibungen, Türstürze u. ä. - war jeweils aus Stein oder Holz,
wie in den erhaltenen Abrechnungen vermerkt ist87.
zusammen auf der Schwäbischen Prälatenbank im Reichstag saßen, auf diese Vermittlung angewiesen
waren.
82 So weiß man, daß der Dillinger Bildhauer Johann Michael Fischer und der Schreiner Joseph
Hardtmuth aus Haag in Oberbayern bei mehreren Arbeitsprojekten gemeinsam auftraten (Portenlän-
ger, Kaisheim S. 213). Häufig blieb es nicht bei bloßen »Geschäftsverbindungen«. Fischer arbeitete auch
mehrfach mit dem Dillinger Schreiner Maurus Weiß zusammen; 1766 übernahm er die Patenschaft für
eines seiner Kinder (Schöttl, Fischer S. 73 f.). Sein Kollege und Konkurrent in Dillingen, Franz Karl
Schwertie, tat sich mehrfach mit dem Dillinger Hofschreiner Johann Michael Kustermann zusammen,
dessen Trauzeuge er war (Schöttl, Fischer S. 55). Die angeführten Beispiele stammen zwar aus dem
bayerischen Raum, lassen sich aber ohne weiteres verallgemeinern. Neben den genannten finden sich
weitere (ebenfalls bayerische) Beispiele bei Hofmann, Arbeitsgemeinschaft, bes. S. 166, 169 und 170.
83 Eine Ausnahme ist das in Anm. 82 genannte Beispiel Fischers und Straubs in Fürstenzell 1740.
84 Michalski S. 49; Huber, Diss. S. 4.
85 Huber 1960 S.42 und S. 77. Verweis auf Stadtarchiv Riedlingen, Büschel 275, Stiftungssachen,
Protokolle 1773-76, S.32.
86 Woeckel, Nepomuk S. 87-90 belegt dies am Beispiel des Münchner Nepomukbrunnens, den Roman
Anton Boos nach dem Modell Günthers ausführen mußte, nachdem Günther mit der Ausführung in
Schwierigkeiten geriet. Zuvor war Boos' eigener, wesentlich preiswerterer Entwurf abgelehnt worden. -
Auch Straub arbeitete fast ausschließlich in Holz (Barock in BW 1 S. 233), ebenso Johann Jakob Ruez
(Barock in BW1 S.225) und D. H. Herberger (Barock in BW1 S.216). Ein ausgeprägter Holz-Spezialist
war auch Matthias Faller (Barock in BW 1 S. 186).
87 Vgl. Anm. 140.
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