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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0102
Ulrike Elisabeth Weiß

Selbst wenn Weckenmann die Stucktechnik beherrscht hätte, bot sich ihm in der Zusammenarbeit
mit der Feichtmayr-Werkstatt wenig Gelegenheit zu ihrer Anwendung. Die
überragende Stellung Johann Michael Feichtmayrs schloß eine Konkurrenzposition Weckenmanns
von vornherein aus. Die Arbeitsteilung folgte dem bei Feichtmayr-Aufträgen häufig zu
beobachtenden Muster, wonach die Stuckaltäre und -ausstattungen von der Feichtmayr-
Werkstatt geliefert wurden, die Altarfiguren (aus Holz) dagegen vom ortsansässigen Bildhauer88
.

Inwieweit Johann Michael Feichtmayr auch größere figürliche Arbeiten in Stuck anderen
Bildhauern überließ, ist eine andere, sehr kontrovers diskutierte Frage, bei der es vor allem um
die Zuschreibung der Altarfiguren in Zwiefalten und Ottobeuren an Feichtmayr und/oder
Christian geht89. Häufig zitiert wurde in diesem Zusammenhang der Vertrag für die von
Feichtmayr und Johann Georg Üblhör (1700-1763) in den 40er Jahren gemeinsam stuckierte
Kirche in Wilhering, in dem Üblhör ausdrücklich für den figürlichen Teil der Arbeit
verpflichtet wurde90. Ob man daraus schließen kann, Feichtmayr habe keine Stuckfiguren
fertigen können, ist fraglich - einige Jahre später, in Amorbach, ist die Figurengruppe im
Auszug des Hochaltars für ihn nachgewiesen -, Üblhör war schließlich der um zehn Jahre
Ältere und damit der »Kunsterfahrenere«, zu dieser Zeit wohl auch der Bekanntere. Die
Quellen schweigen sich sowohl in Zwiefalten als auch in Ottobeuren in der Frage der
Altarfiguren aus. Für Feichtmayr ist vor seiner Tätigkeit in Zwiefalten nur eine figürliche
Plastik nachgewiesen (der Auszug des Amorbacher Hochaltars); Christians Frühwerk ist,

88 Bei den fast gleichzeitig, 1754, entstandenen Seitenaltären der Peterskirche in Bruchsal beispielsweise
arbeitete Feichtmayr mit Joachim Günther zusammen, dem Hofbildhauer des Fürstbischofs von Speyer
(Barock in BW1 S.210; Petri S. 22-25).

89 Kurzgefaßter Literaturbericht zur Feichtmayr-Christian-Frage: Nach Michalski (Kap. 5: Die
Feichtmayrfrage) hat Christian die Modelle zu den Altarfiguren geliefert, die aber, da er selbst nicht in
Stuck habe arbeiten können, von seinem Sohn und Johann Michael Feichtmayr ausgeführt wurden. Als
Erfinder hält er Johann Michael Feichtmayr für undenkbar. Als Beispiel für von Feichtmayr selbst
entworfene Figuren führt er die Altarengel in der Schloßkirche von Haigerloch an (S. 52/53), die jedoch
von Franz Magnus Hops geliefen wurden (Schimmelfennig S.20) und aus Holz sind. - Lieb 1931 stellt
alle für die Feichtmayr-Christian-Frage relevanten Archivalien und Quellen für Ottobeuren zusammen,
wobei er sich in der Auslegung sehr zurückhält. Die Frage sei, so meint er abschließend, nur stilkritisch zu
lösen, keineswegs jedoch in einem starren Entweder/Oder, schon gar nicht - das richtet sich gegen
Michalski - »zuungunsten des Augsburgers« (S. 187). Zur Wertschätzung: die »Herren« Feichtmayr und
Zeiller speisten im Refektorium, eine Ehre, die Christian nicht zuteil wurde (S. 185). In den Ottobeurer
Akten wird Christian nie als »Herr« angesprochen, in der Zwiefalter Kellereirechnung (von 1753, vgl.
Michalski S.32: Herrn Christian Bildhauer, Zehrung geben nach Haigerloch 21 fl. 75 kr. [sie]; dazu
später) dagegen durchaus. - Petri, die sich vermutlich auf Liebs Quellenarbeit beziehen konnte (sie zitiert
ihn allerdings nicht; die Dissertation erschien 1935, die mündliche Prüfung fand jedoch bereits 1931 statt),
wendet sich entschieden gegen Michalski und schreibt alle Altarfiguren in Zwiefalten und Ottobeuren
Feichtmayr und seiner Werkstatt zu, wobei sie die Unterschiede zu den für Christian gesicherten
Altarfiguren des Alten und Neuen Testaments aus Holz herausarbeitet. Zuvor untergräbt sie allerdings
ihre eigene Argumentation, indem sie betont, daß die figürlichen Teile in Johann Michael Feichtmayrs
früheren Projekten, Wilhering und Amorbach, von seinem Partner Johann Georg Üblhör ausgeführt
wurden. - Huber, der auch die (spärlich vorhandenen) Quellen für Zwiefalten noch einbezieht, versucht
in seiner Dissertation, die Frage von der Betrachtung der figürlichen Werke Christians und Feichtmayrs
vor Zwiefalten (bei beiden sind das allerdings nur wenige, die nur bedingt Schlüsse zulassen) her neu
anzugehen. Er spricht, über Michalski darin noch hinausgehend, Feichtmayr jede Beteiligung an den
Altarfiguren ab. - Dagegen versuchte in den 60er Jahren Friedrich Wolf in mehreren, sehr emotional
gehaltenen Aufsätzen die Figuren wieder teilweise für Feichtmayr zurückzugewinnen. Christian habe sich
in der ihm bis dato fremden Stucktechnik von Feichtmayr hilfreich »unter die Arme greifen lassen« (Wolf
1965, S. 91).

90 Insonderheitlich die Statuen und übrigen Hauptfiguren von gedachtem Herrn Ueblherrn mit aigen
Hand seiner hosten Kunsterfahrenheit gemäß zu verfertigen (Petri S. 6; Wolf 1964, S. 27).

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