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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0107
Johann Georg Weckenmann

5. ST. ULRICH IN NECKARHAUSEN:

ÜBERLEGUNGEN ZU EINEM VERLORENEN WERKKOMPLEX

Nach Abschluß der Arbeiten in St. Anna in Haigerloch war Weckenmann erneut mit einer
Kirchenausstattung beschäftigt. Für seine heute verlorenen Werke in der Ulrichskapelle in
Neckarhausen wurde er 1758 bezahlt109. Die betreffende Abrechnung ist heute leider nicht
mehr auffindbar. Nach Schimmelfennig, der die Quelle noch vorlag, hätte die Kapelle die
Möglichkeit geboten, »Weckenmann als selbständigen Altar- und Kanzelerbauer in einer
kleinen, aber reich dotierten Kirche kennen zu lernen«110. Ob er in der Rechnung tatsächlich
als Entwerfer der Ausstattungsstücke genannt wurde? Mit welchem Schreiner, welchem
Faßmaler er wohl zusammenarbeitete? Auf diese Fragen wird es, wie auf viele andere im
Zusammenhang mit Weckenmanns zu großen Teilen verlorenen Werken, keine Antwort
geben.

Um einen allzu umfangreichen Werkkomplex kann es sich in Neckarhausen jedoch nicht
gehandelt haben, die Kapelle (1889 anläßlich eines neugotischen Neubaus ausgeräumt, später
abgebrochen) und ihr Altar waren klein.

Weckenmanns Altar wurde bereits 1864, 25 Jahre vor dem Neubau der Ulrichskapelle,
abgebrochen und durch einen neugotischen ersetzt. Nur das Altarbild blieb erhalten; sein
einfacher Rocaillerahmen dürfte in Weckenmanns Werkstatt entstanden sein. Seine Maße
lassen auf einen sehr kleinen Altar schließen111, der vielleicht sogar ohne Altarfiguren auskam.

An Geld hatte es den Auftraggebern der Neckarhauser Kapelle zwar sicher nicht gefehlt:
das Benediktinerkloster Muri, eines der reichsten Klöster der Schweiz, hatte seit 1706 die
Herrschaft Glatt und einige andere kleinere Besitzungen in der Umgebung gekauft. Dieses
Gebiet, vor allem als Zufluchtstätte in Kriegszeiten gedacht, rundeten die Benediktiner 1743
mit dem Erwerb des Ritterguts Neckarhausen ab112.

Als einziges der Weckenmannschen Ausstattungsstücke der Ulrichskapelle ist das Wappen
des Klosters Muri (Kat. Nr. 13) erhalten, das 1889 aus der Fassade der alten Kapelle gelöst und
in die der neugotischen Kapelle vermauert wurde. Die Rocailleornamentik ist symmetrisch um
das Wappen angeordnet und wirkt, wie immer bei Weckenmann, sehr akkurat und etwas
leblos und steif. Das freie, abstrakte Ornament war nicht unbedingt Weckenmanns Stärke,
und daß er sich auf diesem Gebiet immer mit Feichtmayr vergleichen lassen muß, ist ihm nicht
besonders zuträglich.

6. ST.JOHANN IN SIGMARINGEN: NEUE EINFLÜSSE

In den 50er Jahren war Weckenmann nacheinander mit mehreren Kirchenausstattungen
beschäftigt. 1753 bis 1757 arbeitete er in St. Anna in Haigerloch, 1758 führte er den kleineren
Auftrag für Neckarhausen aus, und 1759/60 fertigte er die Altarfiguren für die neu erbaute
Stadtpfarrkirche St. Johann in Sigmaringen. In den folgenden zwei Jahrzehnten arbeitete er
vorwiegend in Stein, zumindest sofern es sich um größere Figuren handelte. Ein Teil seiner

109 Laur S. 32; Schimmelfennig S. 46.

110 Schimmelfennig S. 46.

111 Maße ca. 1,40 x 0,50m. Zum Vergleich: das Hochaltarbild in Owingen (als Beispiel einer kleinen
Pfarrkirche) mißt 2,40 x1,20 m, ein weiteres Bild befindet sich im Auszug (Maße nach Genzmer,
Hechingen S.246); Weckenmanns Figuren dort sind etwa 1,30 m hoch.

112 Hodler S. 189-194. Interessant wäre, hier wie in anderen Fällen, zu erfahren, wie die Auswahl der
Künstler vor sich ging. Engagierte das Kloster Muri einfach den geographisch nächstliegenden Meister,
oder erkundigte es sich vorher bei seinem Nachbarn, dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen?
Wurde der Auftrag an Weckenmann herangetragen, oder bewarb er sich, womöglich in Konkurrenz mit
anderen, darum?

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