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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0108
Ulrike Elisabeth Weiß

architekturplastischen und kleineren dekorativen Aufträge war weiterhin Holzarbeit. Nur
noch einmal - 1781 für St. Jakob in Owingen - wurden Weckenmann Altarfiguren in Auftrag
gegeben.

Die gesicherten und datierten Sigmaringer Altarfiguren stehen also am Ende einer Reihe
von Holzskulpturen. Sie markieren jedoch nicht das Ende einer Entwicklung, sondern im
Gegenteil einen neuen Anfang.

6.1 Baudaten und Quellen

Seit 1757 wurde die unterhalb des Schlosses gelegene Stadtpfarrkirche St. Johann in
Sigmaringen (Abb. 23) neu errichtet. Baumeister waren der Maurermeister Johann Martin Ilg
aus Dornbirn und der Zimmermeister Hans Martin Stoffler aus Arbon, mit denen 1756 der
Akkord geschlossen wurde. Dazu schrieb Fürst Joseph Friedrich von Hohenzollern-Sigma-
ringen an den Pfarrer: Die Zwey männer siehe Ich vor einen gutten maurer- und Zimmermai-
ster ahn, im übrigen aber in architectur vor keine Hexenmaister; hätte ich es früher gewußt, so
würdte ich ein andtem Mann hergestellet haben, undt vielleicht umb wäniger gelt, oder
wänigst nit mehrsm.

Leider nennt er den Namen dieses andtem Mannes nicht, sonst wäre die Frage nach dem
Architekten von St. Anna vielleicht einfacher zu klären. Was die Einschätzung der beiden
Baumeister anbelangt, kann man dem Fürsten nur zustimmen. Er schrieb weiter: Hauptsächlich
mus daran angetragen werden, das einige gute Stukadorer zur Handt gebracht werden,
welche Johann Michael Veichmair... am bästen und wohlfailisten beyschaffen würdtu"'.

1758 wurden Feichtmayr, wohl auf diesen Brief hin, die fünf Stuckmarmoraltäre der
Kirche in Auftrag gegeben. In der Praxis sah das tatsächlich so aus, daß Feichtmayr die
Stukkatoren beyschaffte. Sein Palier Thomas Sporer, der auch die meisten Rechnungen
quittierte, arbeitete mit sechs Gehilfen insgesamt 360 Tage in Sigmaringen. Die Altäre wurden
in Abwandlung und weiterer Vereinfachung der bereits in Zwiefalten und St. Anna in
Haigerloch verwendeten Entwürfe ausgeführt. Feichtmayr selbst war nur während 56 Tagen
in Sigmaringen anwesend115. Die Rangunterschiede treten dabei sehr deutlich zutage: Dem
Herrn Feichtmayr wurden in dem schlösse die Kost und der trunckh geraicht, sein Balier
erhielt eine wesentlich bescheidenere Verpflegung für 20 Kreuzer pro Tag, den übrigen
Mitarbeitern wurde zu dem gibs Brennen, und auch... zum Haizen und kochen wehrender
arbaith an denen altär Holz zur Verfügung gestellt116.

Die Ausstuckierung der Kirche jedoch wurde 1758 nicht der Feichtmayr-Werkstatt,
sondern Johann Jakob Schwarzmann aus Schnifis bei Feldkirch übertragen117. Warum die
Pfarrgemeinde sich entschied, zwei verschiedene Stukkatorwerkstätten gleichzeitig nebeneinander
zu beschäftigen, läßt sich nur vermuten. Vielleicht wollte man einfach nur die Arbeiten
schnell zu Ende bringen. Feichtmayr, der gleichzeitig in Ottobeuren beschäftigt war, konnte
sicher nicht noch mehr seiner Leute nach Sigmaringen abstellen.

113 Zitiert bei Herman, St. Johann S. 4. Vgl. Anm. 15.

114 Petri S. 39; Schimmelfennig S. 43. Vgl. Anm. 15.

115 1760 schrieb er selbst noch drei Rechnungen für zwei seiner Mitarbeiter, Materialkosten und einige
außerhalb des Akkords verfertigte Putti; StAS, Dep. 39, Grafschaft Sigmaringen Rub. 79, Nr. 25, Blatt 35,
37 und 39 (nachträgliche Paginierung).

116 StAS, Dep. 39, Grafschaft Sigmaringen Rub. 79, Nr. 25: Verzaichnus derjenigen Posten, welche
gnädigster Herrschaft von der fabrique widerumb zu vergueten seynd, S. 1. Vgl. auch Petri S. 40. Vgl. die
bevorzugte Behandlung des »Herrn« Johann Michael Feichtmayr in Ottobeuren (Lieb 1931 S. 184 f.).

117 Johann Jakob Schwarzmann, 1729-84; vgl. Schimmelfennig S. 59-84. Arbeit in Sigmaringen 1758/
59. Der Stuck im Langhaus wurde später beseitigt, bei der Renovierung in den 1950er Jahren nach
Entwurfszeichnungen Schwarzmanns wieder aufgetragen. Die Fensterlaibungen wurden 1892 stuckiert
(Genzmer, Sigmaringen S.292f.; Genzmer 1959).

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