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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0113
Johann Georg Weckenmann

Mähren, in der Pfarrkirche von Koprivnä (= Geppersdorf)129. Dieses Werk kann Weckenmann
, der sich bereits Anfang 1752 fest in Haigerloch niederließ, nicht gekannt haben. Das
wichtigste Werk Günthers vor 1760 dagegen, den Hochaltar der Stiftskirche St. Andreas in
Freising (1755-59), kennen wir heutigen Betrachter leider nicht, denn er ging im ^.Jahrhundert
verloren130. Der Altar war vermutlich dem Hochaltar in Rott am Inn (1760/62) ähnlich,
eher noch etwas größer als dieser. Vielleicht erstreckte sich die Ähnlichkeit auch auf die
Altarfiguren, aber auf solch unsicheren Vermutungen läßt sich ein Vergleich mit Weckenmanns
Sigmaringer Skulpturen schlecht aufbauen. Zudem bietet keine der Figuren in Rott
einen direkten Anknüpfungspunkt für einen Vergleich.

Die Frage ist überhaupt, ob man bis an die Isar, nach München oder in dessen nähere
Umgebung gehen muß, um einleuchtende Vergleiche und Vorbilder für Weckenmanns
Sigmaringer Figuren auszumachen. Die von Schimmelfennig bemühte Begründung einer
Münchenreise Weckenmanns auf Wunsch des Fürsten ist ohnehin fragwürdig. Zum einen
waren die Beziehungen des Fürsten zu München nach der Niederlage Bayerns 1745 sicher
nicht mehr sehr eng. Schließlich mußte der Fürst mit seiner Lehensherrin, der Kaiserin Maria
Theresia, auszukommen versuchen. Zum anderen sind solche Vermittlungen und Beziehungen
auf der Ebene der Auftraggeber zur Erklärung von »Bildungsreisen« interessierter
Künstler auch gar nicht notwendig.

Auch in dem kleinen, abgelegenen Städtchen Haigerloch konnte sich Weckenmann über
wichtige Entwicklungen, aktuelle Großaufträge, vakant werdende Meisterstellen und neu
auftauchende Namen auf dem laufenden halten. Sicher pflegte er Kontakt zu den Künstlern
und Kunsthandwerkern der näheren Umgebung. Und mochten diese auch alle so unbekannt
sein wie jener Stukkator Franziskus Rösch in Gruol, bei dessen Tochter Weckenmann im Juli
1751 Pate stand131, sie waren alle, wie Weckenmann selbst, während ihrer Gesellenzeit weit
herumgekommen. Und nun, da sie sich als Meister niedergelassen hatten, machte eine neue
Generation wandernder Gesellen in ihren Werkstätten Station. Diese erzählten, woher und
von wem sie kamen. Bei dem einen oder anderen dieser Meister hatte Weckenmann vielleicht
selbst schon während seiner eigenen Wanderzeit gearbeitet. Und die jüngeren Kollegen kannte
er wohl teilweise aus der Zeit ihrer gemeinsamen Wanderschaft. Über die wandernden
Gesellen konnte Weckenmann als niedergelassener Meister Kontakt zu früheren Bekannten
halten und erfahren, was sie mittlerweile beruflich taten. Aber auch neue Anregungen und
Arbeitsweisen konnten durch solche zeitweiligen Mitarbeiter vermittelt werden. Vielleicht hat
Weckenmann sich aufgrund der Erzählungen und eventuell auch mitgebrachter Zeichnungen
zu einer »Studienfahrt« entschlossen? Vielleicht hatte er auch ganz andere, viel privatere und
heute nicht mehr nachprüfbare Gründe für eine Reise.

Daß er die Skulpturen, die ihm zu prägenden neuen Vorbildern wurden, auf einer Reise »in
natura« kennengelernt hatte, erscheint zwingend, um die tiefgreifenden Veränderungen der
Sigmaringer Figuren zu erklären. Angesichts der überraschenden »Kehrtwendung«, die diese
Figuren belegen, möchte man annehmen, daß die Reise dem Sigmaringer Auftrag unmittelbar
vorausging, also zwischen 1757 und 1759 stattfand. Zwar wäre auch denkbar, daß Weckenmann
aufgrund einer neuen Anregung auf Dinge zurückgriff, die er während seiner Wanderzeit
kennengelernt, aber bisher nicht in sein Schaffen einbezogen hatte132. Die Sigmaringer

129 Zu den Werken Günthers vor 1760 vgl. Schoenberger, Günther S. 20-36. Die Chorausstattung in
Koprivnä in der CSFR wurde erstmals 1966 von Vilem Juza publiziert (Reaktionen von Schoenberger
in der Festschrift C. Hernmarck. Stockholm 1966. S. 207-25 und von G. Woeckel und E. Herzog in
Pantheon 24 (1966) S. 212-252).

130 Schoenberger, Günther S. 25-27. Der Altar wurde 1803 nach Partenkirchen verkauft, wo er 1865
verbrannte.

131 Waldenspul, Baustein S. 36.

132 Michalski S.62 stellte die »an bayerische Künstler gemahnende stoffliche Verdeudichung« für
Weckenmanns Werk allgemein fest. Es zeigte sich bereits, daß Weckenmann, obwohl stark unter dem

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