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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0121
Johann Georg Weckenmann

Merkt aus Spaichingen geliefert, die Altarblätter malte Meinrad von Ow aus Sigmaringen. Für
seine Arbeit am Hochaltar (zwei Figuren, sechs Putten und eventuell einige ornamentale
Schnitzereien) erhielt Weckenmann 130 Gulden, seinem Sohn wurde ein Trinkgeld von
2 Gulden und 24 Kreuzern bezahlt. Die beiden Männer, die die Figuren aus Weckenmanns
Werkstatt in Haigerloch nach Owingen transportierten, wurden mit 6 Kreuzern belohnt147'.

8.2 Die Figuren

Der Hochaltar, der schmal und hoch zwischen den Chorfenstern steht, zeigt vereinfachte,
vergröberte und verblockte Rokokoformen und eine im Detail bereits klassizistische Ornamentik
. Retabel und Auszug sind zu einer glatten Bildwand zusammengefaßt, die seitlich von
zwei nur leicht vortretenden Säulen gerahmt wird. Die beiden Altarfiguren - links der
hl. Sebastian, rechts der hl. Franz Xaver - finden, fast wie bei einem Renaissancealtar, auf zwei
Konsolen seitlich der Säulen Aufstellung.

Der jugendliche Franz Xaver (Abb. 34) ist in der Betrachtung eines kleinen Meditationskreuzes
begriffen, seine Haltung drückt Hinwendung zum und Scheu vor dem Kreuz zugleich
aus. Er neigt sich, das Gewicht ganz auf das linke Bein verlagernd, zum Kreuz hin, weicht im
Oberkörper jedoch nach rechts und hinten zurück. Während sein Kopf sich dem Kreuz
zuwendet, setzt der nach rechts ausgestreckte Arm die Bewegung in die Gegenrichtung fort.
Diese Demutsgeste mit der nach oben gewendeten geöffneten Handfläche wirkt auch formal
sehr überzeugend. Sie ist flüssig und elegant aus der Haltung des Franz Xaver heraus
entwickelt und dient der Ausponderierung sowie der Betonung des Kreuzes. Gleichzeitig
verweist die Hand des Franz Xaver auf den Altar und stellt, über diesen hinweg, eine
Verbindung zum hl. Sebastian auf der anderen Seite her. So jedenfalls sah Weckenmanns
Konzeption aus. Doch der Altar, der auf den kleinen Konsolen den Heiligen kaum Bewegungsfreiraum
gewährt, schneidet in unglücklicher Weise diese Geste ab148. Hier liegt wohl
ein Kompositionsfehler Weckenmanns vor. Vielleicht war der Riß des Spaichinger Schreiners
Merkt - denn von ihm stammt der Altarentwurf vermutlich -, nach dem er arbeiten mußte,
perspektivisch schlecht gezeichnet, so daß nicht klar daraus hervorging, ob die Figuren vor,
hinter oder neben den Säulen am Altar zu stehen kommen würden149.

Vergleicht man den Owinger hl. Franz Xaver mit Weckenmanns früheren Altarfiguren, so

147 Pfarrarchiv Owingen, Heiligenpflegrechnung 1781/82. Acht Blätter sind mit Bindfaden so geheftet,
das ein ca. DIN A4-formatiges Heft mit 16 Blättern = 32 (nicht paginierten) Seiten entstand. Unter den
Baukosten ist auf S. 25 (eigene Zählung) aufgeführt: dem bildthauer weckhenmann von haigerloch
bezalten vermeg des accorts auch laut quitung 130fl. auch seinem söhn trinckgeldt geben 2fl. 24 kr. Am
Ende der nächsten Seite findet sich unter der Uberschrift Zehrung und taglohn der Eintrag: Zwey
Männern, welche die bildnus des hl. xavery und bastiani von haigerloch anhero getragen, bezahlt 6 kr. Die
Verträge wurden wohl anderswo aufbewahrt und sind verloren. Leider fehlt unter den sonst offenbar
vollständig erhaltenen Quittungen ausgerechnet diejenige Weckenmanns. Sie wurde von Josef Rieger
entdeckt, der sie wie folgt zitiert bzw. wiedergibt (Riegger, Werke, S. 25): Unterschriebener hat vermög
des akord an dem neuen Hochaltar in die Pfarrkirche zu Owingen zu seinem Antheil erhalten hundert und
dreißig gülden. Ferneres seinem Sohn trinkgeld 2/7. 24 kr., welches bey dem Akord zwar eingedungen,
doch in den Akord nicht eingetragen worden. Dessen alles richtigen Empfang dankbarlich bescheint:
Owingen den 24 Obris 1782 Jo. Georg Weggenmann Bildhauer in Haigerloch.

148 Für diesen Befund kann ich mich allerdings nur auf Fotografien berufen, denn seit den 1970er Jahren
sind die Owinger Altarfiguren abgenommen.

149 Allerdings hätte es nur bei einer Aufstellung vor der Säule keine Probleme mit der Geste des Franz
Xaver gegeben, und diese Art der Staffelung wäre ziemlich unüblich. Für eine Aufstellung neben der Säule
ist die Konsole zu klein. Evtl. könnten die Figuren des Sebastian und Franz Xaver natürlich auch
vertauscht worden sein. Riegger, Werke S. 26 berichtet jedenfalls, daß der Sebastian in den 1930er Jahren
gar nicht am Altar stand, von wo ihn eine Figur des hl. Johannes von Nepomuk verdrängt hatte. Ein
Seiten tausch der Figuren ist aber aus formalen Gründen fast unvorstellbar: ein links aufgestellter Franz

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