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Die Deckenfresken des Andreas Meinrad von Ow
Tempel mit Verscbietischen Arcbitecteur Colonen, Säulen, Leßenen Marmorirten Füllungen
und Tragsteinen vorgestellt™.
Da die entsprechenden Dokumente für Meinrad von Ow und für Haigerloch fehlen,
interessiert hier auch, daß das Kloster für die Ausmalung der ganzen Kirche neben convena-
blen Tisch für ihn u. seinen mitbringenden Gesellen, an paarem gelt 300fl [Gulden] zu geben
undt auszuzahlen verspricht.
Das Bild ist nicht gemalt, das Geld nicht an Eggmann ausgezahlt worden, es gab
Schwierigkeiten, und Eggmann floh über Nacht. An seiner Stelle wurde Meinrad von Ow
verpflichtet, und für das Langhaus einigte man sich über ein Thema, das genauso zu Ehren der
glorwürdigsten Himmels-Königin Maria und an einem Schauplatz, auf den die Architektur-
Vorgabe paßte, nun die Begegnung zwischen Bernhard von Clairvaux und seiner - noch in
weltlicher Hoffahrt befangenen - Schwester Humbelina, die nach ihrer Läuterung selbst
einem Frauenkloster vorstehen sollte, zum Inhalt hatte.
Ein Viertelrund aus Pfeilern mit vorgelagerten Säulen, mit Kompositkapitelen abgeschlossen
, durch Bogen verbunden, darüber eine Galerie, nach rechts eine Rotunde, die sich zum
Bildhintergrund zurückschwingt. Diese Architektur, die - von links oben nach rechts unten -
durch zwei Kurven begrenzt wird, nimmt ungefähr die untere Hälfte des Bildraumes ein.
Vor diesem Architektur-Hintergrund, wie er sich ähnlich auf zahlreichen Deckenfresken
der Zeit findet, ereignet sich auf der Rampe die Begegnung der Geschwister: Bernhard im
weißen Ordenshabit, mit goldenem Heiligenschein vor dem dunklen Gewölbe, hinter ihm der
Halbkreis weißgekleideter Ordensbrüder, Humbelina in Purpur, Weiß, Gold und mit goldbesticktem
blauem Samtmantel, dessen Schleppe von einer Art kleinem Hofnarren gehalten
wird, und begleitet von einer Zofe, die einen leuchtend blauen Schirm über sie hält. Uber die
Rampe rechts drängt ihr buntes Gefolge nach. Engelsgruppen vermitteln zwischen der Erde
und dem Himmel. Die folgende Zone füllt eine Vision des Petrus. Darüber thronen Maria und
die Dreieinigkeit.
Im Sommer 1753 hatte Meinrad von Ow den Auftrag für dieses Fresko erhalten. Zur
gleichen Zeit begann in Haigerloch der Bau der St. Anna-Kapelle, und auch dieser Auftrag
ging an ihn. Für das Fresko des Langhauses, in seinen Maßen dem von Kloster Wald ähnlich,
wurde die Widmung der Kirche durch den Stifter und die Heilige Anna und ihre Reliquie als
Sammelpunkt von Kranken und Pilgern gewählt. Ob ein Vorschlag des Malers oder der
Wunsch des fürstlichen Bauherrn die erste Anregung gab: der Bildaufbau des Walder
Bernhard-Humbelina-Freskos wurde dafür übernommen.
Das Fresko in der St. Anna-Kirche
Das Fresko sollte aufnehmen: die Dreieinigkeitsgruppe, die Heilige Anna und Engel als
Vermittler zwischen Himmel und Erde, den fürstlichen Stifter mit dem Hinweis auf Kirchen-
und Reliquiarstiftung samt Familienangehörigen und Gefolge, dazu die eigentliche Klientel
der Wallfahrtskirche: Wallfahrer aus dem Volk, Pilger, Kranke und Bettler.
Das Kompositionsschema von Kloster Wald wurde für den weniger gestreckten Bildraum
zunächst dadurch modifiziert, daß über dem irdischen Geschehen nicht zwei Bereiche (Petrus
und Engelsgruppe, darüber Maria und Engel im Kreis um die Dreieinigkeit), sondern nur
einer, mit der Heiligen Anna im Engelskreis um die Dreieinigkeit, angeordnet wurde.
Vielleicht erklärt sich aus diesem Raumproblem, daß trotz der Verpflichtung des Stifters für
den Dienst der Unbefleckten Empfängnis im Langhaus nicht wie in Chor und Vierung die
Mutter der Großmutter vorgesetzt wird.
Die irdische Bühne diente in Kloster Wald der dramatischen Begegnung des Ordensheiligen
mit seiner noch der Welt verfallenen Schwester, die aber selbst doch später seliggespro-
10 Carl Baur: Ursprünglicher Plan zur Ausmalung der Klosterkirche zu Wald. In: Zollerheimat 9
(1940) S.44f.
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