http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1992/0216
Heinz Pfefferle
Arbeitsgemeinschaft der Maßstab eines ordnungsmässigen kaufmännischen Betriebs oder einer
Behörde angelegt werden.
Zusammenfassend kann festgestellt werden:
1. Infolge des Fehlens einer kaufmännischen Organisation sind in der ersten Zeit
Mängel entstanden.
2. Schwerwiegende Verfehlungen konnten nicht festgestellt werden und sind sicher auch
nicht vorgekommen.
3. Die zur Verfügung gestellten Geldmittel sind im allgemeinen zweckmässig und
wirtschaftlich verwendet worden.
4. Infolge der Überwachungstätigkeit des Finanzausschusses konnten größere Defizite
vermieden werden*0.
Diese ausführlichen Zitate aus dem Prüfungsbericht zeigen deutlich die Janusköpfigkeit
der Kritik am Generalsekretariat (und insbesondere am Generalsekretär selbst): einerseits
wird ausdrücklich bescheinigt, daß aufgrund der Umstände eine sparsamere Mittelverwendung
und sorgfältigere Buchführung gar nicht möglich ist, andererseits klingen die Vorwürfe
an anderen Stellen desselben Berichts recht massiv, herabsetzend und beleidigend. Die Zitate
geben auch einen illustrativen Einblick in die Schwierigkeiten des Aufbaus und in die
Arbeitsweise der Arbeitsgemeinschaft. Hier stehen sich in der täglichen Praxis immer wieder
politische Effizienz und buchhalterische Genauigkeit als Gegensätze gegenüber.
Umgekehrt bleiben aber auch für das Generalsekretariat wichtige Wünsche offen. Die
weitgehend staatliche Finanzierung löst keinesfalls alle Probleme. Immer wieder beklagt Lehr
vor allem die Unsicherheit der Mittelzuweisung, die eine Planung sehr erschwere. Am 15. Juni
1951 schreibt er - per Eilboten - an Gebhard Müller: Man kann bei der jetzt so schwierigen
Lage nicht in den letzten paar Wochen einen Wahlkampf improvisieren... Leider habe ich von
Stuttgart bisher fast nur Versprechungen erhalten, eine wirkliche Hilfe habe ich bis jetzt nicht
oder doch zu wenig gespürt41. Ein weiterer Brief Lehrs - wieder an Gebhard Müller - vom
21. Oktober 1951 zeigt, daß die Querelen in der entscheidenden Volksabstimmungskampagne
noch bedeutend zunehmen:
Wir stehen heute mit vollkommen leerer Kasse da. Die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft
kann damit nicht mehr weitergeführt werden. Falls bis Mitte der kommenden Woche keine
Änderung eintritt, werde ich die Sitzung des Hauptausschusses am Samstag absagen42.
Abschließend sei ein vielsagender Brief von Dr. Sütterle, dem Vorsitzenden des Bezirkssekretariats
Bodensee, zitiert, den dieser ohne Lehrs Wissen am 4. Februar 1951 schreibt:
Man wirft Herrn Lehr Großzügigkeit vor, wenn es darum ging, die für den Abstimmungskampf
erforderlichen Maßnahmen durchzuführen. Angeblich sei auch der Grundsatz der
Sparsamkeit nicht genügend beachtet worden. Tatsächlich hat Herr Lehr nicht mehr und nicht
weniger getan, als auf dem badischen »Kriegsschauplatz' unbedingt notwendig war. Mindestens
in den letzten Wochen vor dem 9. September war der Aufwand der Altbadener tatsächlich
größer. Aus Gründen der Sparsamkeit sind wir in diesem Zeitraum ins Hintertreffen geraten.
Herr Lehr mußte alle Möglichkeiten der Propaganda usw. ausschöpfen, um sich nicht dem
Vorwurf auszusetzen, dieses oder jenes sei versäumt worden. Jetzt, nach dem Sieg, kann man
sagen, die eine oder andere Ausgabe sei überflüssig gewesen. Wenn aber der Südweststaat nicht
zustande gekommen wäre, dann hätte man nach Unterlassungssünden gesucht und Herr Lehr
hätte sich unter Umständen von den Kritikern manches sagen lassen müssen4*. Die Streitigkeiten
um die Finanzen überdauern - wie man sieht - selbst noch die Auflösung der Arbeitsgemeinschaft
.
40 WieAnm.37.
41 StA Sig. Wü 2/238.
42 StA Sig. Wü 2/237.
43 Brief an Gebhard Müller (StA Sig. Wü 2/239).
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