Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 61
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0075
BERNHARD RÜTH

Akademie-Provisorium im provisorischen Staat.
Die Kunstschule in Bernstein (1946-1955)*

Zum Gedenken an Dr. Werner P. Heyd

Am 29. März 1971, fast 25 Jahre nach Gründung der Kunstschule in Bernstein, sah sich Paul
Kälberer, der geistige Vater dieser Bildungseinrichtung, veranlaßt, dem Journalisten Dr. Werner
P. Heyd, Redakteur beim »Schwarzwälder Boten«, von der Veröffentlichung eines
Jubiläumsartikels zum Gedenken an die sogenannte Bernsteinschule abzuraten. Zur Begründung
verwies er auf die (Fehl-)Entwicklung, die diese kulturelle Einrichtung - entgegen den
Intentionen ihres Gründers - genommen habe. Es sind, so Kälberer mit skeptischem Unterton
, nicht nur die im Laufe der Jahre gemachten Erfahrungen mit solchen meist gut gemeinten
Aufsätzen - ich traue Ihnen übrigens einige Geschicklichkeit zu -, sondern es ist vor allem die
Einsicht, dass man Unternehmungen, die so anders gelaufen sind, als wie sie geplant und angelegt
worden sind, besser nicht mehr berührt. Distanziert blickte der Nestor der Kunstszene am
oberen Neckar auf das von ihm initiierte »Unternehmen Bernstein« zurück; in seinen Äußerungen
schwingt eine Portion Resignation mit1.

Kunstkritik und Kunstgeschichte ließen sich nicht davon abhalten, das heikle Thema1 aufzugreifen
. Wissenschaftler und Publizisten widmeten der sogenannten Bernsteinschule eine
ganze Reihe von Darstellungen und Ausstellungen - nicht zuletzt auch der um Kunst und
Kultur verdiente Feuilletonist Dr. Heyd3.

50 Jahre post festum, nach 25 Jahren historischer Forschung, wissen wir, daß das von Paul
Kälberer begonnene, von Hans Ludwig Pfeiffer und Riccarda Gohr fortgesetzte, von HAP
Grieshaber und Max Fürst weitergeführte Bildungsexperiment keineswegs ein Fehlschlag
war4. Als Ausbildungsinstitut wie auch in der künstlerischen Produktion hat die Kunstschule

"■' Das Referat, das im Rahmen des Symposiums »Regionalismus und Südweststaatidee« am 10. Mai 1997
in Hechingen gehalten wurde, wird - unter Beibehaltung der Vortragsform - in erweiterter Fassung veröffentlicht
. Das Manuskript wurde - abgesehen von einzelnen Nachträgen - im Sommer 1997 fertiggestellt.
Frau Christine Dietz und Herr Dr. Ludwig Dietz, Horb am Neckar, und Frau Margot Fürst, Stuttgart,
gewährten dem Verfasser Einblick in private Unterlagen; hierfür sei ihnen an dieser Stelle gedankt. Die
Abhandlung sei dem Gedenken an Dr. Werner P. Heyd, den verstorbenen Pionier der Bernstein-Forschung
, gewidmet.

1 Paul Kälberer an Dr. Werner P. Heyd, 29. 3.1971: Archiv Heyd, Oberndorf.

2 So Paul Kälberer im eingangs zitierten Brief an Dr. Werner P. Heyd.

3 Als Kunstkritiker begleitete Werner P. Heyd die Gruppenausstellungen der »Bernsteiner« in der
Alpirsbacher Galerie (1979) und in der »Galerie im Bürgerhaus« in Haigerloch (1981); zu den Ausstellungskatalogen
steuerte er Textbeiträge bei. Werner P. Heyd: Bernstein. Dokumentation einer Idee. In:
Ausstellung der ehemaligen »Arbeitsgruppe für bildende Kunst Bernstein« (Ausstellungskatalog). 1979.
Auch in: Bernstein Heute. Künstler der ehemaligen Bernsteinschule stellen aus. Grafik. Malerei. Plastik
(Ausstellungskatalog). 1981, S. 7-19.

4 Den Weg zu einer differenzierten Würdigung wies bereits Ursula Bader in ihrer 1971 vorgelegten Zulassungsarbeit
zum Thema »Die Kunstschule im Kloster Bernstein. 1946-1955«, dem ersten »Versuch einer
historischen und systematischen Darstellung« des Bildungsexperiments (maschinenschriftliches Exemplar

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