Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 82
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0096
Rainer Loose

Neben dem Wasser haben auch die anderen naturräumlichen Faktoren Gewicht für die
Entwicklung Wilsingens. Die Böden und das Klima beziehungsweise das Witterungsgesche-
hen entscheiden maßgeblich, ob eine agrarisch orientierte Gesellschaft nach Ablauf des Vegetationsjahres
auch genügend ernten kann. Wilsingen liegt bei 760 m über dem Meer. Die
Höhenlage bedingt eine Abnahme der Temperatur und eine Reduktion der jährlichen Wärmemenge
. Verglichen mit dem Albvorland bei Reutlingen und Metzingen verkürzt sich die Vegetationszeit
um durchschnittlich zwei bis drei Wochen. Im Frühjahr und Herbst treten regelmäßig
Spät- beziehungsweise Frühfröste auf, so daß sich die frostfreie Vegetationszeit auf den
Zeitraum von etwa Ende Mai bis etwa Mitte September, das heißt auf rd. 105 Tage, eingrenzen
läßt. Konkret bedeutet dies, daß die potentielle Wärmemenge für den Anbau von Getreide
und Kartoffeln ausreichend ist, aber schon nicht mehr für Körnermais oder gar Weintrauben
.Was den Boden, vor allem seine natürliche Fruchtbarkeit betrifft, so ist nicht so sehr entscheidend
, um welchen Bodentyp es sich handelt, als vielmehr, wie mächtig die Deckschicht
ist und welche natürliche mineralische Zusammensetzung sie besitzt. Wie andernorts so nehmen
auch auf der Markung Wilsingen die Reliefverhältnisse auf die Bodenarten starken Einfluß
. Herausgehobene Kuppen, wie der Mittelbühl (752,7 m NN), der Kapf (770,4 m NN)
oder der Kleine Schmiedberg (761,2 m NN) wechseln sich auf engem Raum mit Erdfällen6
(Dolinen) und abflußlosen Senken ab. Man kann hier auch ohne Bohrstock beobachten, daß
der Boden infolge von Erosionsvorgängen nicht mehr überall gleich mächtig vorhanden ist.
Auf den Hängen und Kuppen beträgt die Bodenauflage oft nur noch wenige Zentimeter, in
den Senken und Trockentälern oder in Nähe der Erdfälle hingegen einen und mehr Meter. In
Anschnitten erkennt man zudem feine horizontale Bodenverfärbungen, die zu unterschiedlich
alten Schichtpaketen gehören und von flächhaften Hangabspülungen herrühren. Der Boden
selbst besteht aus Kalkverwitterungslehm und Schlufflehm sowie aus Periglazialschutt
und gehört dem Typ nach zu den Rendzinen. Was ihm heute fehlt, sind dem Ackerbau förderliche
Mineralien, wie Phosphat, Kalium, Magnesium und Stickstoff. Selbst Kalk kann nur in
geringen Konzentrationen nachgewiesen werden, obwohl das bodenbildende Ausgangsgestein
aus Kalksedimentgesteinen des Oberen Juras besteht.

Ungünstig für den Ackerbau gestalten sich auch die Feuchtigkeitsverhältnisse und der
Feuchtigkeitstransport, in erster Linie weil der humose Oberboden bereits abgetragen und
der Mutterboden flachgründig ist, so daß die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und
zu leiten, nur mäßig ausgeprägt ist, eigentlich nur dort, wo eine verdichtete Schicht das rasche
Absinken des Niederschlags in den verkarsteten Untergrund verzögert. Solche Areale decken
sich mit den Hangfußzonen, den Karstsenken und Trockentälern. Sie waren und sind darum
die bevorzugten Ackerbauzonen. Die Mineraldefizite mußten in historischer Zeit durch tierischen
Dung oder durch Mergeln des Bodens ausgeglichen werden, Tätigkeiten, die notgedrungen
auf die intensiv genutzten Innenfelder oder die drei Ösche der alten Dreifelderwirtschaft
beschränkt werden mußten.

2. HERRSCHAFT UND SIEDLUNG

Die maßgebenden historischen Rahmenbedingungen für die Siedlungsentwicklung eines Ortes
setzten in der Vergangenheit die Ortsherren, allein schon wegen ihrer ausschließlichen
Verfügungsgewalt über den Grund und Boden. Sie bestimmten, wer über das Land verfügte
und in welcher Weise das Nutzungsrecht ausgeübt werden durfte. In den Dorfordnungen, die

6 Vgl. die Ausgabe der Topographischen Karte 1:25000 - Blatt 7721 Gammertingen von 1967; auf dieser
Karte sind noch etliche Erdfälle eingetragen, die im Zug der Flurbereinigung verfüllt wurden, weil sie der
maschinellen Bodenbearbeitung hinderlich waren.

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