Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 93
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0107
»Wilsingen, ein Dorf auf den Alpen unweit Trochtelfingen«

Das Handwerk blieb in Wilsingen während der Klosterzeit ganz von den Bedürfnissen und
Möglichkeiten der dominierenden bäuerlichen Höfe und Haushalte abhängig und konnte deshalb
nur im Nebenberuf ausgeübt werden. Die Versorgung mit handwerklichen Erzeugnissen
und Dienstleistungen übernahmen herumziehende Handwerker oder man bediente sich ihrer
auf den Jahrmärkten. Auch nach dem Ubergang Wilsingens an das Herzogtum beziehungsweise
Königreich Württemberg (1802/03) änderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
zunächst nicht. Auch jetzt kannte man kaum Handwerker. Die Quellen erwähnen
lediglich einen Schmied, Wirt, Hirten, Feldschützen und einige (wohl nebenberufliche)
Weber. Wieviele nicht-bäuerliche, handwerklich orientierte Familien in dem Dorf aber wirklich
wohnten, dies erfährt man erst 1819 aus dem Amtsgrundbuch des Kameralamtes Zwiefalten
. Damals gab es einen Schildwirt, einen Gassenwirt, der zugleich Branntweinbrenner war
und 5 Handwerker aller Art45.

4. REICHE BAUERN UND ARMES GEWERBE IM 19. JAHRHUNDERT

Die verfügbaren Statistiken belegen, daß Wilsingen stets zu den kleineren Dörfern auf der
Zwiefalter Alb gehört hat. Die Bevölkerungsentwicklung stagnierte im 18. Jahrhundert. Die
Einwohnerzahlen schwankten um einen Mittelwert von 225 Personen. 1714 wurden 232 Einwohner
gezählt, 1803 waren es 229 Einwohner46. 1819 lebten hier 32 Familien mit 223 Personen
. Im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerschaft leicht. So
wurden 1834 265 und 1864 274 Personen registriert. Nach 1865 pendelte sich der Bevölkerungsstand
bei ca. 250 Einwohnern ein. 1890 ergab die Bevölkerungszählung schließlich
257 Einwohner. Das Auf und Ab der Bevölkerungsbewegung ist wesentlich von natürlichen
Faktoren abhängig. Die Aus- und Abwanderung hat in Wilsingen im Gegensatz zu anderen
Albgemeinden keine besondere Rolle gespielt47. Auch die Zuwanderung hielt sich in Grenzen.
Die Bürger- und Beisitzerliste, begonnen 1828, die hierzu Aufschluß gibt, enthält bis 1851
70 Zuwanderungsfälle. Die 70 Bürgeraufnahmen betrafen in der Mehrzahl Personen, die aus
Heiratsgründen nach Wilsingen kamen. Aus beruflichen Gründen zogen nur die Lehrer (je
einer aus Schwalldorf/OA Rottenburg und Waldmössingen/OA Oberndorf) und die Hirten
hierher. Als Herkunftsorte überwogen die katholischen Nachbargemeinden des OA Münsingen
und des angrenzenden Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen. Konfessionelle Unterschiede
bestanden nicht. Die Wilsinger gehörten bis 1870 geschlossen der katholischen Kirche
an. Erst danach registrierten die Statistiken evangelische Christen, deren Zahl 1895 gerade
6 Personen erreichte. Bezüglich der sozialen Gliederung blieb die Unterscheidung von Bauern
und Seidnern bis 1848/49 bestimmend, was sich in der Zuteilung des Brennholzes besonders
bemerkbar machte. Der Elementarkataster von 1824 notierte Besitzstände von 23 Bauern,
5 Handwerkern, 3 Seidnern und 2 Tagelöhnern. Abgesehen davon bestanden soziale Unterschiede
in der Größe der landwirtschaftlichen Besitz- und Betriebsfläche.

Um eine Vorstellung zu geben, wie groß ein gewöhnliches Bauerngut in Wilsingen war, sei
auf die Beschreibung des Gutes St. Andreas anläßlich des Tod- und Erbfalls Johannes Bronner
verwiesen. Sie war notwendig geworden, weil das Waisengericht in Münsingen den Hof zum

45 StaatsA Sigmaringen, Wü 125a, Bd. 1368, Heft I, S. 45ff. (Kameralamtsgrundbuch Zwiefalten 1819).

46 Irmtraud Betz-WischnaTH: Das Oberamt Zwiefalten, in: 900 Jahre Benediktinerabtei Zwiefalten,
hg. von Hermann Josef Pretsch. Ulm 1989, S. 476; eine andere Statistik von 1806 gibt 331 Seelen (davon
sind 4 abwesend) an, vgl. HStA Stuttgart, A 15, Bü 88 (Einwohnerliste sämtlicher neuwürttembergischer
Territorien 1806); diese Zahl ist vermutlich verschrieben, da genau um 100 Personen zu groß.

47 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Handschriftliche Bevölkerungstabellen 1834-1871;
Historisches Gemeindeverzeichnis Baden-Württemberg. Bevölkerungszahlen der Gemeinden 1871-1961.
(= Statistik von Baden-Württemberg Bd. 108). Stuttgart 1965.

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