http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0108
Rainer Loose
Wilsingen - Gewerbesteueranschläge 1823-1861
18231825 1830 1835 1840 1845 1850 1855 1860
Entwurf: R. Loose; Grafik: A. Bengsch
Quelle: Gemeindearchiv Wilsingen. Gewerbesteuerkataster 1823-1861
Abb. 3: Wilsingen, Gewerbesteueranschläge 1823-1861
Verkauf ausschrieb. Im Intelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Münsingen vom 12. Februar
1842 wird der Bestand wie folgt angegeben: ein zweistöckiges Wohngebäude mit Stallungen,
eine Scheuer mit zwei Tennen, ein gesondertes Waschhaus, 2 Viertel 112 Ruten Gärten, ca.
4 Morgen Wiese, ca. 100 Morgen Acker, 1 Morgen Rübteil und eine in 5 Klafter bestehende
Holzgerechtigkeit, sodann 5 Pferde, 5 Ochsen, 12 Stück Rindvieh, 2 Schweine sowie Vorräte
an Getreide und Heu, dazu 3 große Bauernwägen und ein neues »Berner-Wägele«. Erläuternd
wird hinzugefügt, daß der Hof zinseigen und im besten baulichen Zustand sei sowie die Äcker
zu den ertragreichsten auf der Alb zählen. Der Waisenrichter und Amtsnotar Hailer warb zudem
mit dem gutem Ruf des Ortes, der sehr wohlhabend sei.
Daß die Wilsinger keinen Vergleich zu scheuen brauchten, mag noch eine andere Notiz
verdeutlichen. Ihr »relativer Reichtum« prägte nämlich auch ihre Lebens- und Eßgewohn-
heiten. Beinahe neidisch vermerken verschiedene Quellen, daß sie - wie die Einwohner der
ehemaligen Zwiefalter Klosterorte - Dinkel-Knöpfle mit fettem Braten, statt Haferbrei,
Milch, Kraut und Kartoffeln48 äßen. Bemerkenswert ist ferner die Tatsache, daß die Gemeinde
in einer gedruckten Liste über den Arbeitskräftebedarf im Königreich Württemberg von 1840
auftaucht. Gesucht wurden damals je 10 männliche und weibliche Personen für landwirtschaftliche
Tätigkeiten im Sommer und Herbst49.
48 StaatsA Ludwigsburg, E 179 II, Bü 2041 (Oberamtsvisitation Münsingen 1829); Neueste Kunde von
dem Königreiche Württemberg aus guten Quellen bearbeitet. Weimar 1812, S. 88.
49 Stadtarchiv Reutlingen, Gemeindearchiv Mittelstadt Nr.377 (Mandat der Centraileitung des Wohltätigkeitsvereins
Stuttgart betr. Arbeitskräftebedarf vom 26.Mai 1840).
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