Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 123
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0137
Geisteskranken-Fürsorge in Hohenzollern im 19. Jahrhundert

sondern auch als eine Musteranstalt galt33; Krabbe übermittelte seine gutachtlichen Äußerungen
am 7.3.1852 nach Sigmaringen36. Batzer vermochte sich allerdings mit dessen Vorschlägen
nur beschränkt anzufreunden und monierte vor allem, daß Krabbes Ausführungen zur Organisation
der geplanten Irrenanstalt sich maßgeblich an großen staatlichen Irrenanstalten orientierten
und von daher etwa die ins Spiel gebrachten Personalstärken gegenüber den Sigmaringer
Verhältnissen reduziert werden müßten. Er erwartete vor allem seitens des Staates oder der
Verwaltung der Hohenzollernschen Lande eine deutliche Anschubfinanzierung, denn: Vor
der Hand herrscht in den Hohenzollernschen Landen gegen Irrenanstalten auch überhaupt
ein großes Vorurteil und dann werden vorzüglich die großen Kosten, welche die Unterbringung
solcher Kranker notwendig macht, gefürchtet. Dies hatte nach seiner Ansicht die Konsequenz
, daß sich zunächst nur polizeilich eingewiesene Patienten finden lassen würden, die
übrigen Patienten aber erst dann kommen würden, wenn sie höchstens eine geringe Summe
für ihren Aufenthalt aufzubringen haben würden37.

Einige Monate später schaltete sich auch der Haigerlocher Physikus Dr. Rehmann in die
Diskussion um eine verbesserte Unterbringung der Geisteskranken ein und verwies auf deren
unbefriedigende Unterbringung: Sechs Pallisadenzimmer waren im Landesspital bisher für
diesen Zweck eingerichtet, diese allerdings viel zu klein und zu nahe an den anderen Krankenabteilungen
gelegen. Da kein abgeschlossener Garten vorhanden war, konnten die unruhigen
Geisteskranken sich nicht einmal an der frischen Luft im Freien aufhalten. Das Wärterpersonal
war für seinen Beruf kaum ausgebildet, zumal nicht systematisch auf die besonderen Verhältnisse
in Irrenanstalten vorbereitet. Man muß sich nicht wundern, wenn noch jetzt manchmal
diese Unglücklichen angebunden, in Ketten gelegt oder zur größeren Beruhigung der Umgebung
mit Prügeln traktiert werden. Da die Neuerrichtung einer Irrenanstalt als
beschlossene Sache galt, konzentrierte sich die Diskussion maßgeblich darauf, ob eine bestehende
Einrichtung entsprechend umgebaut oder aber ein Neubau errichtet werden sollte.

Rehmann sprach sich in dieser Hinsicht energisch gegen den Vorschlag der Sigmaringer
Regierung aus, die Irren in das in dem ehemaligen Frauenkloster Habsthal einzurichtende
neue Korrektionshaus einzubeziehen, da dies nur die Vorurteile in der Bevölkerung bestärken
, die Nachteile wie vormals in Hornstein Wiederaufleben lassen und die Irren in den Ruch
von Korrektionshäuslern kommen lassen würde. Das Wasserschloß Glatt, allerdings noch Sitz
eines Oberamtmanns, schien ihm weitaus geeigneter, wenn auch hier umfangreiche Umbauten
nötig sein würden. Eine Lanze brach Rehmann für die Einstellung barmherziger Schwestern
als Pflegepersonal für die weiblichen Patienten auch in der vorgesehenen neuen Anstalt, wie
dies bereits in einer ganzen Reihe psychiatrischer Anstalten mit Erfolg praktiziert wurde.
Allerdings vermochte auch er sich den zeittypischen (Vor-)Urteilen nicht ganz zu entziehen:
Zwar haben sich bedeutende Arzte gegen die Uberweisung an kirchliche Verbindungen erklärt
und im Prinzip ist es gewiß richtig, daß alles reine geschäftsmäßige Schaffen dem Grundcharakter
der Frau widerstrebt, aber wenn die kirchliche Richtung nicht zu Ungehörigkeiten
und Proselytenmacherei führt, dann unterstützt sie wesentlich das an und für sich große Wohlwollen
der Frau und macht sie nicht bloß für die Person, sondern auch für die Allgemeinheit
aufopferungsfähigis.

Die Frage des Baus einer neuen Irrenanstalt für die Hohenzollernschen Lande geriet nunmehr
immer stärker in den unmittelbaren Kontext der Errichtung einer ganzen Reihe von
neuen Anstalten, die die Regierung als dringende Bedürfnisse für die Hohenzollernschen

35 Vgl. Friedrich Köster/Wilhelm Tigges: Geschichte und Statistik der westfälischen Provinzial-Ir-
renanstalt Marsberg. Berlin 1867.

36 StAS Ho 235 Abt. I Sekt. IX Rub. F Nr. 531 Bd. 1 (I 6072).

37 Ebd.

38 Ebd.

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