Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 146
(PDF, 85 MB)
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Otto Werner

Auch in ihrem Testament bedachte sie die >Israeliten<.

Auf die Trauerrede75 und den Trauergottesdienst für die verstorbene Fürstin Eugenie am
5. September in der Hechinger Synagoge in der Goldschmiedstraße wird hier nicht näher eingegangen76
. Es sei daraus nur ein Aspekt erwähnt. Dabei kommt Samuel Mayer auf die
Geschichte der Juden zu sprechen: Es hat der Vorsehung gefallen, unserm Stamme die Königswürde
zu nehmen, und uns ein neues Vaterland anzuweisen. Aber man will uns noch immer
nicht als gleichberechtigte Kinder des Vaterlandes, in welchem wir doch schon seit beinahe
zwei Jahrtausenden wohnen anerkennen, denn der Wahn ist noch mächtiger, als die Wahrheit.
O, welche Wohltat wird dem Herzen der Israeliten erzeigt, wenn er mit Theilnahme und ohne
Vorurtheil behandelt wird; er fühlt sich heimisch und wird dankbar und treu77. Fürstin
Eugenie habe den Juden diese Wohltat erwiesen. Sie sei auch Israels Zierde gewesen. Welchen
Stellenwert er ihr beimißt, wird deutlich, wenn er sie in einer Reihe mit Frauen in der Welt der
Ewigkeit nennt, die als Mütter Israels einen hellen Klang haben: ... dort wallet Pharao's edle
Tochter, die den Knaben Moses vom Wassertode rettete und erzog, mit den Stammmüttern
Sara, Rebecca, Rahel und Lea; dort wallet auch unsere Fürstin. Sie werde gesegnet von der
Hand des Ewigen, weil sie unsern Glauben ehrte, unsrere Kinder liebte, unsere Kranken erquickte
, unsere Armen erfreute und unsere Schwachen stärkte - ...7S.

Ihrer wurde als einziger Christin alljährlich bei der Seelenfeier am Versöhnungstag in der
Synagoge zu Hechingen gedacht79.

5. IRRITATIONEN

Im Verordnungs- und Anzeigeblatt erschien Anfang Januar 1848 ein Witz, der einen Ostjuden
dümmlich erscheinen ließ: Ein polnischer Jude ward gefragt, wie eine Kanone gemacht würde?
>Gott, das ist so simpel!< antwortete Jakob. >nehme Se a Loch und gießen Se Messing drum rum
und dann hernach das Uebrige<m.

Und im Februar wurde folgende judenverächtliche Geschichte abgedruckt: Man muß es
loben an den Juden, es läßt nicht Einer den Andern stecken. Einem war das Geld ausgegangen
zum Schachern, und noch etwas, nämlich der Kredit. Er denkt aber: ich probir's, und geh zum
Aaron. >Aaron!< sagte er, >ich geb dir's ehrlich wieder heim, leih mir 10 Gulden; ich könnte was
damit machen.' - >Was könntest du profitiren, Baruch?< - >Fünf Gulden, wie fünf Kreuzer.< -
>Aß ich wirklich wenig Geld hab<,< sagte der Aaron, >ich hab< erst wieder Stallvieh eingekauft.
Die 10 Gulden kann ich nicht entbehren; weißt du was? ich geb dir fünf geschenkt. So hast du
fünf gewonnen u. ich fünf[.

74 Verordnungs- u. Anzeigeblatt für das Fürstenthum Hohenzollern-Hechingen. Nro. 66. Samstag den
5. Sept. 1845, S.274.

75 Trauerrede bei dem Ableben Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht der regierenden Fürstin Eugenie
Hortensie Napoleone von Hohenzollern-Hechingen, geborene Prinzessin von Leuchtenberg, am 5. September
1847 in der Synagoge zu Hechingen gehalten von Dr. Samuel Mayer, Rabbiner. Hechingen. Verlag
von Georg Eggersdorff. - Lagerort z. B.: Hohenzollerische Heimatbücherei Hechingen, Mappe U. a. 11,
Nr. 9.

76 Siehe Werner (wie Anm. 39), S. 90 f.

77 Wie Anm. 75, S. 5 f.

78 Wie Anm. 75, S.U.

79 Seelenfeier am Versöhnungstag in der Synagoge zu Hechingen. Eßlingen 1882, S. 5.

0 Verordnungs- u. Anzeigeblatt für das Fürstenthum Hohenzollern-Hechingen. Nro. 2. Mittwoch den
5. Januar 1848, S. 8.

81 Ebd. Nro. 16. Mittwoch den 23. Februar 1848, S. 64.

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