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Dr. Samuel Mayer und die Hohenzollern
dem schon beim Sabbathgottesdienste durch die vortreffliche Predigt des Herrn Dr. Mayer
auf die Bedeutung des Jubeltages in sehr anregender Weise aufmerksam gemacht worden
war«178.
Rabbiner Dr. Samuel Mayer begann 1853, ein voluminöses Werk zu schreiben. In den Jahren
1862, 1866 und 1876 veröffentlichte er in Leipzig179 beziehungsweise in Trier180 das
dreibändige Werk »Die Rechte der Israeliten, Athener und Römer, mit Rücksicht auf die neuen
Gesetzgebungen, für Juristen, Staatsmänner, Theologen, Philologen, Philosophen und Geschichtsforscher
in Parallelen dargestellt.« - »Ein Beitrag« - wie Mayer es nannte - »zu einem
Systeme und zu einer Geschichte des Universalrechts.« Der erste Band behandelt »Das öffentliche
Recht«, der zweite Band »Das Privatrecht« und der dritte Band »Das Strafrecht«. Ein so
umfangreiches Werk zu verfassen, kostete viel Zeit und Mühe. Im 3. Band schrieb er: An der
vergleichenden Darstellung der öffentlichen und Privatrechte... arbeitete ich in freien Stunden
zwölf Jahre, und an dieser Strafrechtsgeschichte zehn Jahre, aus Liebe zur Wissenschaft, die
auch den alten Praktiker nicht verlassen hat. M. Kayserling wertet »Die Rechte der Israeliten,
Athener und Römer« in einem Gedenkblatt181 als ein Werk, »in dem er große Belesenheit in
den verschiedenen Literaturen bekundet und nachweist, wie die oft verkannten Talmudisten
auf Grund des mosaischen Gesetzes ein Rechtssystem mit bewundernswürdiger Schärfe und
Consequenz aufstellten«. .
Wenn wir einer Anekdote trauen dürfen, so gestaltete sich das Zusammenleben der Konfessionen
nach dem Anschluß an Preußen - neben der großen katholischen Bevölkerungsgruppe
und der bedeutenden jüdischen war nun auch eine kleine prostestantische hinzugekommen
- in ruhigeren Bahnen. Toleranz mit Humor gepaart war nicht die schlechteste Voraussetzung
eines christlich-jüdischen Dialogs. Zwischen dem katholischen Stadtpfarrer und
dem Rabbiner entwickelte sich einer. Beide waren Mitglieder der honorigen Museumsgesellschaft
, Rabbiner Dr. Samuel Mayer deren Sekretär und Bibliothekar. Die Anekdote:
»Am Donnerstagabend trafen sich die Herren der besseren Gesellschaft im Museum. An
einem dieser Abende bot der Wirt eine Schlachtplatte an. Der katholische Stadtpfarrer war
kein Kostverächter und ließ sich Blut- und Leberwurst, den Schlitz Bauchfleisch und Kraut
und Salzkartoffeln trefflich munden. Rabbiner Dr. Samuel Mayer kam hinzu, setzte sich und
wünschte >Guten Appetit<. Der Stadtpfarrer wollte den Rabbiner foppen und fragte: >Herr
Rabbiner, wollen Sie nicht auch einmel eine gute Metzelsuppe essen ?< Der Stadtpfarrer wußte
natürlich, daß Juden der Genuß von Schweinefleisch verboten war. Aber Rabbiner Dr. Samuel
Mayer war nicht auf den Mund gefallen. Er antwortete schlagfertig: >Es wird kommen der Tag:
an Ihrer Hochzeit, Herr Pfarrer! <«
Noch 1835 mußte der frischeingesetzte Rabbiner einen Strauß mit einem anderen (weit
mächtigeren) Pfarrer ausfechten, mit Pfarrer J. Blumenstetter182. Im Volksfreund hatte dieser
geschieben: In der Israeliten-Gemeinde zu Hechingen hat sich neuerlich ein religiöser Vereinm
gebildet. Den Mitgliedern desselben hält Herr Reichenberger, ein wohlunterrichteter junger
Mann, an Sabbathen und Festtagen recht belehrende und erbauliche Vorträge. Wir hörten
und lasen mehre dieser letztern und freuen uns, ihnen öffentlich das Zeugniß geben zu können,
daß sie sehr zeitgemäße Gegenstände behandeln, auf das Wesen aller Religion - auf Licht und
178 Hohenzollernsches Wochenblatt. No. 116. Hechingen und Sigmaringen, Sonntag den 25. Oktober
1863.
179 1. und 2. Band.
180 3. Band.
181 Moritz (Mayer) Kayserling: Gedenkblätter. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten des neunzehnten
Jahrhunderts. 1892, S. 55.
182 Josef Blumenstetter (1807-1885) war damals Pfarrer in Boll (1833-1847).
183 Otto Werner: Jüdische Bruderschaften und Vereine in Hechingen (Schluß). In: Hohenzollerische
Heimat Nr. 2 / Juni 1982, S. 20f. unter »9. Gesellschaft des religiösen Vereins«.
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