Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 181
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0195
Johann Baptist Molitor und Johannes Diebold - Zwei caecilianische Kirchenmusiker aus Hohenzollern

liturgischen Gesänge unserer hl. Kirche resp. Compositionen producirt werden dürfen77.
Schließlich empfahl er dem Verein noch, sich besonders des Diöcesangesangbuches mit dem
Notenbuche, die die erhebensten (sie!) Choräle u. alten Melodien der frommen Vorzeit enthalten
, anzunehmen78.

Im Unterschied zu den Gesangvereinen aus den 1830er und 1840er Jahren, die mit ihren
Bestrebungen beim Freiburger Erzbischöflichen Ordinariat kaum auf Gegenliebe gestoßen
waren79, fällt bei diesem Verein die eindeutige Festlegung auf die katholische Kirchenmusik als
Betätigungsfeld auf. Ein Grund dafür war sicherlich der von den Vereinsgründern genannte
neu erwachte kirchliche Geist und Eifer - der führende Kopf des Vereins, der 1822 geborene
Priester Johannes Fidel Siebenrock80, kannte die Aufklärung allenfalls noch als Auswuchs des
verdorbenen Zeitgeistes -, doch sind sie sehr wahrscheinlich auch von der im benachbarten
Bistum Rottenburg schon weiter fortgeschrittenen Reformbewegung beeinflußt. Die
Bemühungen eines Eduard Ortlieb81 etwa dürften in Hohenzollern kaum unbemerkt geblieben
sein82.

Diesem Verein war freilich kein sehr langes Leben beschieden, und manches deutet darauf
hin, daß er seine hochgesteckten Ziele nicht erreichen konnte83. Sein Vorbild hat jedoch in
Hohenzollern offenbar Schule gemacht, denn einige Jahre nach dem Sigmaringer Verein meldete
der Schulkommissar des Dekanats Veringen dem Ordinariat, in seinem Kapitel bestehe
seit einigen Jahren ein Lehrergesangverein der in jährlich mehrmaligen Übungen die Hebung
des Kirchengesanges sich 's zur Aufgabe gemacht hatu, und im Jahr 1863 schließlich berichtete
ein anderer Geistlicher über einen Schullehrer-Gesangverein im Schulkommissariate Sigmaringen
I, dessen Zweck die Uebung u. Fortbildung jedes Einzelnen im Gesänge zur Förderung
des Kirchen Schul & Volksgesanges bei der Jugend sei85.

In diesem kirchenmusikalischen Geist, von solchen Bestrebungen sicherlich nicht unbeeinflußt
, ist Johannes Diebold aufgewachsen. Der langjährige Organist und Chorleiter von St.
Martin in Freiburg ist nicht nur einer der wichtigsten Exponenten des Caecilianismus in der
Erzdiözese, sondern auch einer der Protagonisten des Streits zwischen >Radikalreformern<
und >Gemäßigten<86. Geboren wurde er am 26. Februar 1842 in Schlatt bei Hechingen als Sohn
des Lehrers Joseph Diebold und seiner Frau Theresia geb. Kohn87. Seine musikalische Ausbildung
erhielt er, seinem langjährigen Dienstherrn Heinrich Hansjakob zufolge, zunächst im
Elternhaus, danach waren die Hofmusiker im nahen Hechingen seine Lehrer in der Musiku.
Nachdem er das Lehrerseminar in Brühl bei Köln absolviert hatte, wo der schon seit Ende der
30er Jahre des 19. Jahrhunderts um die Reform der Kirchenmusik bemühte Michael Töpler89

77 EAF, B2-39-17a, Schreiben des Ordinariats an den Verein, 5. 9. 1851.

78 Ebd.

79 Vgl. Schmider (wie Anm. 1), S. 104-18.

80 Vgl. EAF, Priesterkartei.

81 Zu Ortlieb und seiner Kirchenmusikreform siehe Schmider (wie Anm. 1), S. 233-246.

82 Erkennbar ist dieser Einfluß am in Hohenzollern verbreiteten Repertoire.

83 So z. B. die Tatsache, daß er weder in den Akten des EAF noch des Staatsarchivs Sigmaringen weitere
Spuren hinterlassen zu haben scheint.

84 EAF, B2-39-17a, Schreiben von Schulkommissar Mayer an das Ordinariat, 8. 8. 1859.

85 EAF, B2-39-17a, Schreiben von Schulkommissar Stauss an das Ordinariat, 16. 10. 1863.

86 Eingehend über Leben und Werk Diebolds informiert Wilhelm Tittel: Der Freiburger Komponist
Johannes Diebold. Freiburg. Staatliche Hochschule für Musik 1990 (Wissenschaftliche Hausarbeit im
Rahmen der künstlerischen Prüfung für das Lehramt an Gymnasien).

87 EAF, Kirchenbuch-Mikrofilme, Taufbuch Schlatt.

88 Heinrich Hansjakob: Verlassene Wege. Tagebuchblätter. Stuttgart 1902 (Reprint Waldkirch 1986)
S. 323.

89 Vgl. Weissenbäck (wie Anm. 21), S. 384, Art. Töpler, Michael.

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