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Christoph Schmider
sein Musiklehrer war, wurde Diebold Lehrer in seiner Heimat. Als Lehrer und Kirchenmusiker
in Gammertingen90 bewarb er sich 1867 erfolgreich um die Anstellung als Erzbischöflicher
Orgelrevident (Orgelinspektor) für Hohenzollern91.
Im Zusammenhang mit der Bewerbung um dieses Amt war der Freiburger Dompräbendar
und nachmalige Domkapellmeister Johannes Schweitzer auf Diebold, der von seinem Dekan
als vorzüglich braver, eifriger und kirchlich gesinnter junger Schulman91 bezeichnet wurde,
aufmerksam geworden93. Bei der Eröffnung der Freiburger Kirchenmusikschule im Jahr 1868
war Diebold einer der ersten Schüler und wirkte zugleich in den Realien als Lehrer**. Anfang
des Jahres 1869 übernahm er die Organistenstelle an der Freiburger Martinskirche9' und heiratete
am 30. September in Gammertingen die aus Jungingen stammende Olivia geb. Miller96.
Bis er im Jahr 1919 aus Altersgründen in den Ruhestand trat, blieb Diebold rund 50 Jahre als
Kirchenmusiker seiner Stelle treu und lebte danach bis zu seinem Tod am 8. März 1929 als
Pensionär in Freiburg97. Sein Dienstherr, der Stadtpfarrer und Schriftsteller Heinrich Hansjakob
, setzte ihm schon im Jahr 1902 ein literarisches Denkmal und erhob ihn geradezu in den
Kirchenmusikerhimmel:
Meister Diebold hat, wie alle großen Künstler, seine Eigenheiten, mit denen der Pfarrer von
St. Martin nicht immer harmoniert. Aber wenn ich am Altare stehe und er seinen Chorgesang
erschallen läßt, so besiegt er mich nicht nur, er rührt mich oft zu Thränen; das letztere, so oft er
das alte Weihnachtslied von Hasle^ » O Jesulein« erklingen läßt oder sein Chor das Kredo singt
in der Dreikönigsmesse von Könen. Ich habe schon oft gedacht, wenn alle natürlichen und
übernatürlichen Teufel mich plagen würden zum Abfall vom christlichen Glauben und von
der christlichen Kirche - das Kredo von Könen, mit dem majestätischen »et unam sanctam ca-
tholicam et apostolicam ecclesiam«, gesungen von Diebolds Sängerchor - würde mich retten
von allen Mächten der Hölle".
Neben seinen Tätigkeiten als Kirchenmusiker und Orgelinspektor, zu denen sich später
noch Aufgaben als Veranstalter von Organisten- und Chorleiterkursen gesellten100, war Diebold
ein fruchtbarer, wenn auch nur selten origineller Komponist. Den caecilianischen Zeitgenossen
galten seine Werke - mehr als einhundert Opera erschienen, teilweise in vielen Auflagen
bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, im Druck101 - großenteils als sehr gute, bisweilen ge-
90 Vgl. EAF, B2-6-28, Schreiben von Johannes Diebold an das Ordinariat, 10. 6. 1867.
91 Vgl. EAF, B2-6-28, diverse Schriftstücke. Mit Ordinariatserlaß vom 21. 6. 1867 wurde Diebold zum
»Orgelbaurevidenten für die Hohenzollernschen Lande ernannt« (vgl. Erzb. Anzeigeblatt 1867. S. 47).
92 EAF, B2-6-28, Schreiben des Dekanats Veringen an das Ordinariat, 12. 8. 1867.
93 Vgl. EAF, B2-6-28, Gutachten von J. Schweitzer über Diebolds Beantwortung der Prüfungsfragen
über den Orgelbau, 30. 9. 1867. Diebold hatte im Rahmen seiner Bewerbung um das Revidentenamt auch
eine Messenkomposition als Beispiel für seine »Leistungen in der kirchenmusikalischen Composition« an
Schweitzer geschickt (vgl. EAF, B2-6-28, 10. 6. 1867).
94 Vgl. EAF, B7/87, Schreiben von G. Schweitzer an das Domkapitel, 24. 10. 1888. Zur Freiburger Kirchenmusikschule
vgl. Schmider (wie Anm. 1), S. 94-102.
95 Vgl. Wilhelm Schwarz: Streifzüge durch die Geschichte der Kirchenmusik an St. Martin. In: Josef
Oechsler (Hg.): Zum 150jährigen Jubiläum der Pfarrei St. Martin, Freiburg i. Br., 1785-1935. Freiburg
1935, S. 29-36, speziell S. 31. Schwarz nennt als Datum den 10. Februar. J. Schweitzer gibt als Datum des
Dienstantritts den 23. April an (vgl. EAF, B7/87, Schreiben von J. Schweitzer an das Kapitelsvikariat, 24. 5.
1869).
96 EAF, Kirchenbuch-Mikrofilme, Ehebuch Gammertingen. Tittel (wie Anm. 90), S. 5, gibt für die
Eheschließung irrtümlicherweise das Jahr 1871 an.
97 Vgl. Tittel (wie Anm. 86), S. 5.
98 Haslach i. K., Hansjakobs Heimatstadt.
99 Hansjakob (wie Anm. 88), S. 323.
100 Tittel (wie Anm. 86), S. 14 und Anm. 35.
101 Vgl. ebd. S. 5.
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